at Victoria’s – Märt & Kunst i dä Sulzer

 

 

Ist die DIY-Szene in der Schweiz wirklich kleiner als in Deutschland, oder scheint das nur so? Zwei Frauen haben es sich zum Ziel gemacht, die kreativen Schweizer aus ihren Verstecken zu locken. Sibylle Schroff und Felice Brunner veranstalten am 6. Juni in Winterthur (in der Nähe von Zürich) den großen Handmade/Kunstmarkt At Victoria’s. Ich habe Sibylle gefragt, was sie darüber denkt.

Jill: Ich finde die DIY-Szene in der Schweiz deutlich kleiner als in Deutschland, was meinst du dazu?

Sibylle: Zur Zeit boomen in der Schweiz etwa die Koffermärkte. Es gibt Kunsthandwerk-Märkte, Nachtmärkte, an denen viel Handgemachtes angeboten wird, und da und dort sogenannte Kunterbunte Märkte, da sind oft auch ausschließlich Handmade-Produkte im Angebot. Außerdem gibt es Designmärkte. Vielleicht scheint die Szene insgesamt kleiner, weil kein einheitlicher Name existiert für Märkte, bei denen die Produkte verkauft werden. Als „Handmade-Markt“ bezeichnet außer uns niemand (s)einen Markt. Das – und wohl auch die alte Industriehalle (in der der Markt statt findet) – hatte zur Folge, dass wir auch Leute aus der DIY-Möbel- und Deko-Branche angesprochen haben.

Welcher Meinung man auch sein mag, fest steht; einen Markt wie den at Victoria’s gab es in der Schweiz noch nicht. Sibylle und Felice selbst sind begeisterte Marktbesucherinnen. Sibylle mag eigenständige Produkte, die nicht bloße Duplikate voneinander sind. Da sie schon diverse Kunstausstellungen organisiert hat, kam sie auf die Idee, die Kombination Handmade- und Kunstmarkt auszuprobieren. Felice war sofort dabei und gemeinsam begannen sie, das Projekt auf die Beine zu stellen. Da ich selbst nur Übergangs-Hamburgerin bin und sonst auch in der Schweiz lebe, wollte ich noch mehr von Sibylle wissen.

Jill: In der Mitte der großen Lagerhalle wird der Handmade-Markt stattfinden. Rundherum haben Künstler Platz, ihre Werke zu präsentieren und zu verkaufen. Was für Unterschiede siehst du zwischen Kunst und Handmade-Produkten?

Sibylle: Du fragst nach dem Unterschied Kunst/Handmade, ich denke eher ans Gemeinsame: das Individuelle, Kreative und auch Künstlerische. Diese Gemeinsamkeiten machen für mich Handmade-Produkte und Kunstwerke als Marktangebot in einem Raum stimmig.

Jill: Gab es während der Organisation Reaktionen, die dich besonders gefreut haben oder gab es Schwierigkeiten?

Sibylle: Gefreut haben mich viele Dinge: das schöne Feedback für die Flyer, die Vorfreude, die auf Facebook und in der Mailkorrespondenz von den Ausstellenden zum Ausdruck kommt. Ich bin auch sehr erfreut, wie viele spannende Leute mit unterschiedlichen Angeboten sich gemeldet haben. Ein großer Ärger bzw. eine meines Erachtens unfaire Behandlung gab es: die Stadtpolizei hat uns nicht erlaubt, Werbe-Plakate auf die Straße zu stellen. Auf Nachfrage hieß es, diese Art Plakatständer seien Großanlässen vorbehalten, und das obwohl zur Zeit für einen kleineres Event als unseres überall Plakate stehen hat.

Jill: Bist du froh, dass ihr zu zweit seid oder war es eher schwer, sich bei manchen Entscheidungen einigen zu müssen?

Sibylle: Wir ergänzen uns in dem, was wir gern machen oder gut können. So hat sich jede ihren Bereich geschnappt, und das hat bisher gut geklappt. Und ja klar, wir diskutieren gewisse Entscheidungen, haben aber nicht den Anspruch, alles diskutieren zu müssen. Einmal entscheidet die eine, dann wieder die andere.

Jill: Du bist nicht bloß Eventorganisatorin, sondern stellst auch selbst Dinge her. Woher holst du dir deine Inspirationen? Was ist dir bei deinen Arbeiten besonders wichtig? Was motiviert dich, selbst etwas zu gestalten?

Sibylle: Ich habe einen pragmatischen Ansatz bei meinen textilen Fingerringen, die ich herstelle. Ich mag große, bequeme Ringe und ich mag Farben und Vielfalt. Wenn ich im Ausland bin, liebe ich es, überall nach Verzierungen für meine Ringe zu suchen. Ich experimentiere auch sehr gerne und stelle selber Verzierungen her. Einzige Inspiration war Sophie Taeuber-Arp, die große Schweizer Künstlerin. Bei einer Kunstausstellung sah ich ihre wunderschönen textilen Halsketten. Die Art Schmuckstück gefiel mir extrem gut, ich ging nach Hause und fing an zu häkeln – aber niemals in dieser kunstvollen Art wie sie. Meine Colliers sind schlichter als ihre, aber sie gefallen mir auch

Mit so viel kreativem Elan und positiver Energie kann ja nichts schief gehen! Der Markt wird bestimmt ein Erlebnis voller Inspiration und tollen Begegnungen für alle Handmaids und Kunst-Begeisterten. Liebe Landsleute, ich würde sagen, nichts wie hin!

Liebe Grüße, eure Jill.

 

Link zum Markt: http://www.at-victorias.ch

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