Kreativ und lecker aus dem eigenen Garten!

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Bio-Gemüse hin oder her, am besten schmeckt es, wenn alles aus dem eigenen Garten kommt. Da gibt es nicht nur die eigene Herstellergarantie, sondern gleichzeitig die (Vor-)Freude, wenn Gemüse, Kräuter und Obst anfangen zu wachsen – und endlich erntereif sind!

SEI SCHLAU – SEI EIN GÄRTNER!

Endlich vorbei die Zeiten, in denen das Gärtnern mit fiesen Klischees zu kämpfen hatte. Nur was für alte Leute, die es eh nicht anders kennen, oder für Spießer, deren Vorstellung von Natur sich in einem millimetergenauen Zuschnitt von Hecke und Rasen manifestiert. Vorbei auch die landläufige Assoziation mit schrulligen Typen in akkurat gepflegten Schrebergärten. Nein, Gärtnern ist endlich wieder was für alle und das überall.

Denn inzwischen hält es auch überall dort Einzug, wo es üblicherweise nicht die allerbesten Voraussetzungen findet. In der Stadt zum Beispiel, wo sich unter dem Begriff Urban Gardening ganz verschiedene Formen vereinen, vom Balkon-Topfgarten bis hin zu größeren Gemeinschaftsprojekten. Es ist eine regelrechte Renaissance, was natürlich zum einen bedingt wird durch eine veränderte Einstellung zu den Lebensmitteln. Wo der eigene Garten früher eine Notwendigkeit für Versorgung war, ist er heute ein Mittel, wieder selbst über die Ernährung bestimmen zu können, unabhängig vom Angebot der Lebensmittelindustrie.

Das klingt paradox, weil wir in einem nie gekannten Überfluss verschiedenster Obst- und Gemüsesorten aus der ganzen Welt schwelgen. Aber gleichzeitig stört eben der Industrie-Faktor, obwohl es doch eigentlich aus Produkte aus der Natur geht. An dieser Stelle kommt der zweite Aspekt zum Tragen, nämlich die neuen Möglichkeiten, nahezu überall (mit den jeweiligen Einschränkungen wohlgemerkt) etwas Eigenes anbauen zu können.

Ein eigener Garten, wie man ihn sich typischerweise vorstellt, ist hingegen bestenfalls jenseits der Stadtgrenzen realisierbar, aber dort, wo der Platz und der bebaubare Boden knapp ist, muss man eben kreativer an die Sache herangehen. Zum Beispiel mit einem vertikalen Garten, der nicht nur dekorativ sein kann, sondern sich genauso gut für selbstversorgerische Absichten eignet. Mit etwas mehr Platz reicht es vielleicht sogar für ein Hochbeet, das sich aber prinzipiell an nahezu alle Gegebenheiten anpassen lässt. Ganz gleich auf welche Weise, es muss niemand auf die Vorzüge von Obst und Gemüse aus eigenem Anbau verzichten.

VORBEREITUNGEN FÜR DAS NEUE GARTENJAHR

Aktuell ist im Garten nicht viel zu tun und im Grunde genommen noch weniger zu holen. Wer vorausschauend genug war, Wintergemüse wie Grünkohl, Feldsalat, Spinat oder Lauch zu pflanzen, kann sich aber immer noch über deren Ernte freuen. Ansonsten ist jetzt ein günstiger Zeitpunkt, um sich Gedanken über die kommende Gartensaison zu machen. Die Aussaat macht erst Sinn, wenn die Tage frostfrei sind, solange kann also noch geplant oder angezüchtet werden.

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Alternativ können wir auch Sprossen ziehen, die gut zum Salat oder zur Suppe, aufs Brot oder zu allerlei anderen Gerichten passen. Mehr als ein Gurkenglas und einen Siebdeckel braucht es hierfür nicht – abgesehen von den richtigen Pflanzensamen. Geeignet sind:

  • Alfalfa
  • Bockshornklee
  • Brokkoli
  • Erbsen
  • Senf
  • Kresse
  • Kichererbsen
  • Linsen
  • Radieschen
  • Rettich
  • Quinoa
  • Sesam
  • Sonnenblumen
  • Weizen

Das ist tatsächlich nur eine kleine Auswahl, denn es lassen sich aus vielen Samen Sprossen ziehen, vorausgesetzt, diese keimen schnell und sind dabei ungiftig / gut verträglich. Aus diesem Grund scheiden Nachtschattengewächse wie Tomaten oder Paprika übrigens aus – deren Keimlinge sind giftig!

Die Vorgehensweise selbst ist schnell erklärt, die Samen der Wahl kommen einfach in das Glas, werden mit frischem Wasser gespült und anschließend, feucht wie sie sind, an einen hellen Platz gestellt. Das Spülen einfach mehrmals am Tag wiederholen, dann sollten nach drei bis sieben Tagen die ersten Keimlinge zu erkennen sein.

WORAUF WIR UNS IN DER NEUEN GARTENSAISON FREUEN KÖNNEN

Keine Frage, die Auswahl an Obst, Gemüse und Kräutern ist nicht allein vom Wunsch des Gärtners abhängig, sondern auch von den äußeren Umständen. Das heißt, es wird nicht jedem Hobby-Bauern möglich sein, die nachfolgenden Rezeptideen mit erntefrischen Zutaten aus eigenem Anbau umzusetzen. Das ist aber weder schlimm noch ein Grund für Traurigkeit – es sollte vielmehr Inspiration sein, mit den vorhandenen Lebensmittel kreativ zu werden.

Bärlauch-Pesto

Für Fans von Pasta und einheimischen Kräutern ist Bärlauch möglicherweise das Kraut überhaupt, um daraus ein eigenes Pesto zu zaubern. Im Grunde genommen bietet es sich sogar an, aus dem „wilden Knoblauch“ ein haltbares Lebensmittel herzustellen, denn es gibt nur eine relativ kurze Erntezeit im Frühling. In Pesto-Form kann es immerhin bis zu einem Jahr aufbewahrt werden (bei entsprechender Kühlung und ohne Parmesan und Pinienkerne) und so den Geschmack des Frühjahrs immer wieder hervorholen. Alternativ gleich in einem leckeren Blumenkohlstampf verarbeiten, wenn alles erntefrisch ist.

Die Zutaten:

  • 200 g Bärlauch
  • 25 g Pinienkerne (wer es etwas regionaler mag, greift stattdessen zu heimischen Nüssen oder Sonnenblumenkernen)
  • 25 g Parmesan
  • 1 Teelöffel Salz
  • 150-250 ml Olivenöl

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So wird’s gemacht:

  1. Den Bärlauch waschen, trockenschleudern und in Streifen schneiden.
  2. Die Pinienkerne in einer Pfanne leicht hellbraun rösten – Achtung, das ist manchmal eine Frage von Sekunden, bevor es zu dunkel wird!
  3. Den Parmesan fein reiben.
  4. Die gerösteten Pinienkerne in der Küchenmaschine zerkleinern.
  5. Anschließend die restlichen Zutaten hinzugeben und zu einer sämigen Masse mixen. Sollte das Pesto zu trocken werden, einfach mit ein wenig Öl nachhelfen.
  6. Zum Abschluss nur noch abschmecken und gegebenenfalls nachsalzen.

Wer sich mit dem Geschmack des Bärlauchs nicht recht anfreunden mag oder befürchtet, erst gar keinen zu bekommen, kann sein Pesto aus verschiedensten Alternativen zusammenstellen. Ganz nach den eigenen Vorlieben oder Möglichkeiten.

Holunderblüten-Sirup

Keine Sommerparty mehr ohne Hugo, der Mix aus Prosecco, Holunderblüten-Sirup und Minze hat sich zu einem erfrischenden Dauerbrenner entwickelt. Statt den Sirup für das Sommergetränk fertig zu kaufen, kann er auch eigenhändig hergestellt werden. Nebenbei bemerkt: Genauso erfrischend schmeckt die Mischung übrigens mit Mineralwasser. Es muss ja nicht zwingend immer gleich alkoholisch werden.

Die Zutaten:

  • 15-20 Holunderblüten-Dolden
  • 2 kg Zucker
  • 2 l Wasser
  • 50 g Zitronensäure
  • 1 Bio-Zitrone
  • 1 Geschirr- oder Passiertuch

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So wird’s gemacht:

  1. Die Blütendolden zunächst gut ausschütteln, um eventuell darinsitzende kleine Insekten zu entfernen.
  2. Anschließend – sofern nötig – die Dolden vorsichtig in klarem, stehendem Wasser schwenken. Das entfernt auch die letzten Schmutzpartikel, allerdings genauso den Blütenstaub. Der Sirup verliert so an Aroma.
  3. Die Dolden auf Küchenpapier abtropfen lassen. Die dicken Stiele abschneiden, die schmecken nur bitter.
  4. Den Zucker mit dem Wasser aufkochen. Die Zitrone wird gewaschen, trockengerieben und in Scheiben geschnitten. Die Zitronenscheiben kommen zusammen mit der Zitronensäure und den Holunderblüten in eine große Schüssel und werden dann mit dem Zuckerwasser übergossen. Der Ansatz muss abkühlen und anschließend zugedeckt an einen kühlen, dunklen Ort für drei bis vier Tage ziehen.
  5. Danach wird der Ansatz durch ein feines Sieb gelassen und ein zweites Mal aufgekocht.
  6. Abschließend den heißen Sirup in eine saubere Flasche füllen und gleich ordentlich verschließen.

Im Kühlschrank sollte sich der selbstgemachte Holunderblüten-Sirup zwischen vier und fünf Monaten halten. Die angegebene Menge sollte für 3,5 Liter ausreichen, beim Mischen mit Mineralwasser ist ein Verhältnis von 1:4 für ein normales Glas (250 ml) mehr als genug. Der Sirup funktioniert übrigens auch prima in Desserts, Kuchen oder Küchlein, Marmelade oder als kleiner Kniff im Salatdressing.

Thymian-Hustensaft

Kräutergärtner mit Zugriff auf Thymian können diesen nicht nur zum Aromatisieren von Speisen verwenden, sondern sich dessen Heilwirkungen zunutze machen und gegen nervige Erkältungsbeschwerden einsetzen, die um diese Jahreszeit immer noch vorherrschen. Thymian ist nämlich antibakteriell, antiviral, schmerzlindernd und löst den Schleim – damit ist er ein hilfreiches Mittel gegen Halsschmerzen und Husten.

Die Zutaten:

  • 50 g getrockneten oder 100 g frischen Thymian
  • 1 Bio-Zitrone
  • 150 g Honig
  • 200 ml Wasser
  • 1 leere Flasche

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So wird’s gemacht:

  1. Den Thymian zerkleinern, mit dem Wasser zusammen in einen Topf geben und das Ganze kurz aufkochen. Danach zugedeckt für mindestens 30 Minuten ziehen lassen.
  2. Der Sud wird anschließend durch ein feines Sieb gegeben und in einem sauberen Gefäß aufgefangen.
  3. Den noch heißen Sud abkühlen lassen, bis seine Temperatur bei etwa 35 °C liegt.
  4. Nun den Honig und den Saft der Zitrone beimengen und gut verrühren. Jetzt nur noch in eine saubere Flasche umfüllen.

Aus den hier angegebenen Zutaten lassen sich rund 350 ml Hustensaft herstellen. Der sollte am besten im Kühlschrank gelagert werden, dort ist er bis zu mehreren Wochen haltbar. Kinder sollten hiermit erst ab dem zweiten Lebensjahr behandelt werden.

Viel Spaß beim Ausprobieren der Rezepte – und nur noch ein bisschen durchhalten, dann geht auch die Gartenarbeit endlich wieder los!

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