Meine Maschine und ich

Neulich beim Durchzappen bleibe ich in einer Nähmaschinen-Verkaufsshow hängen. Der Moderator lässt sich von einer feschen Mittfünfzigerin in nullkommanix Baby-Hosen und Ziernähte erstellen dank einer computergesteuerten Nähmaschine mit automatisch-Faden-ab und 30 Programmen. Das ist so leicht, das könnte er glatt alles selbst nähen. Macht er aber nicht… Das gute Stück sieht aus wie eine Mischung aus Fisher Price, Fernbedienung und irgendwie auch Nähmaschine.

Meine Gedanken schweifen ab und wandern zurück zu all den Nähmaschinen, die meinen Weg gekreuzt haben. Den ersten Kontakt gab es in der fünften Klasse mit einer Schwungrad-Maschine, mit deren Hilfe ich eine unglaublich hässliche blaue Schürze nähen musste und später einen gebatikten Schlauch, den man sich vor die Wohnungstür legt, wenn es zieht. Der wurde  schon auf einer elektrischen Maschine genäht, die unglaublich laut war. Das hatte den Vorteil, das man unglaublich viel und laut Quatsch machen konnte in den Nähstunden.

Zuhause musste ich nun natürlich die Nähmaschine meiner Mutter in Beschlag nehmen: Eine Pfaff in türkis und weiß, die in einem riesigen orangefarbenen Lederkoffer wohnte. Sie war ziemlich zickig, und raste immer mit 100 Sachen drauflos, so dass es ein wahres Abenteuer war, mit ihr etwas zu nähen. Nie wusste man, ob man die Naht noch zu Ende kriegt, bevor der Faden reisst! Bis heute weiß ich nicht genau, ob das eigentlich an der Fadenspannung lag (kann nicht sein!) oder an dem Gaspedal, das nur aus einem großen Knopf bestand. Die in dieser Phase entstandenen Näh-Kunstwerke gehören allesamt in die Schublade nicht schön, aber selten. Erst einige Jahre später wagte ich mich wieder an dieses Näh-Monster und habe tatsächlich Jonglierbälle mit ihr genäht – dafür musste ich ihr lange gut zureden. Und natürlich Jonglieren lernen.

Dann kommt eine lange nähmaschinenlose Zeit. Ich war in eine andere Stadt gezogen und kam ganz gut ohne zurecht. Vorhänge? Nähe ich mit der Hand! Kleider ändern? Dafür gibt es doch den Schneider um die Ecke. Ich musste erst 30 werden und noch ein bisschen darüber, um festzustellen, dass ich mir nie etwas sehnlicher gewünscht habe als eine eigene, wunderbare Nähmaschine, mit der ich alles nähen kann, was ich will.

Sie ist vor zwei Jahren zu mir gekommen, und ich kann mich kaum noch erinnern, wie es ohne sie war. Sie teilt sich den Schreibtisch mit dem Katzenkorb. Der muss genau da stehen und nirgendwo anders, sonst gibt es großes Gemaunze. Wenn ich was arbeiten will, muss ich in die Küche. Niemals könnte ich sie zurückverfrachten in ihren Karton. Das wäre so, als würde ich eine gute Freundin in der Besenkammer einsperren. Und ich ziehe ihr auch die Haube nicht mehr über, weil dann kann ich ihr ja gar nicht in die Augen sehen. Die Katze mag die Nähmaschine übrigens auch: Sie gibt ihr jeden Tag Köpfchen.

An welche Nähmaschinen erinnert ihr euch? Was sind eure Geschichten? Ich bin gespannt, eure Nähmaschinen-Biographien zu lesen! Eure Freddy

 

 

Das finden wir gut! | , | Einen Kommentar schreiben
Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.