Möbel bauen und restaurieren: Hohe Kunst & Unbekanntes Wesen

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Das vielleicht Schönste an DIY ist, dass für jedes Skill-Level etwas dabei ist und man auch ganz unten bei kinderleichten Projekten beginnen kann. Doch was ein richtiger Do-it-yourself-Jünger ist, der entwickelt sich weiter. Irgendwann werden aus den kleinen Deko-Utensilien schon etwas kniffligere Holz-Projekte. Ehe man sich versieht, ist man an einem Punkt angelangt, wo man selbst Großes nicht mehr fürchtet, sondern nur noch kalkuliert „wie lange brauche ich dafür wohl?“. Viele von euch lassen dann den Blick durch die Wohnung wandeln und bleiben automatisch bei alten Möbeln oder leeren Wänden hängen: „könnte ich da nicht…?“. Ja, Du kannst. Aber um Möbel zu bauen und zu restaurieren solltest Du dir vorher unsere Tipps durchlesen. Denn mit Bauplänen alleine ist es nicht getan, wir reden hier von der DIY-Königsklasse.

1. Es ist werkzeuglastig – echt!

Auf den unteren DIY-Levels kommt man oft mit dem aus, was man im Haushalt hat: Schere, Nadeln, vielleicht ein paar Blätter Sandpapier. Das war es oft schon. Doch bei Möbeln sieht das anders aus. Da ist der Gang zum Baumarkt obligatorisch. Selbst wenn man nur vorhat, auf altem Holz den Schelllack zu ersetzen, braucht es schon Spiritus, Gips und Spachtel, um die Poren zu schließen, einen Naturbimsstein zum Anschleifen und, und, und.

Doch falls man Möbel ganz neu erschaffen möchte, wird es noch viel umfangreicher. Da braucht es einen Haufen Werkzeug, das viel Geld kostet, aber wenigstens weiterverwendet werden kann. Der folgende Grundstock und seine Preise sollen euch einen Anhaltspunkt geben:

  • Akkubohrschrauber mit Schraub-Bits und Bohrern: 200-300 Euro
  • Stichsäge mit Blättern: 100-200 Euro
  • Exzenter- und Deltaschleifer: je 50-100 Euro
  • Diverse Zangen á 20 Euro
  • Hammer: 10-20 Euro
  • Maßband, Winkel & Schmiege: Zusammen ca. 50 Euro
  • Päckchen mit Schrauben: von 1 bis 50 Euro ist da alles möglich

Das alles gilt nur für den Fall, dass ihr ausschließlich mit Holz arbeiten wollt. Soll es Metall sein, kommt noch weiteres hinzu. Etwa Metallsäge, Winkelschleifer, Gewindeschrauben samt entsprechenden Schlüsseln, Feilen oder vielleicht sogar ein Schweißgerät.

Fassen wir also zusammen: Möbel sind, selbst die kleinen Varianten, immer ziemlich werkzeuglastig und sobald ihr Blut, oder besser Holzstaub, geleckt habt, wollt ihr das Werkzeug auch besitzen und es nicht jedes Mal ausleihen und das ist teuer.

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2. Stichwort Materialkunde

An diesem Punkt werdet ihr das erste Mal mit einer etwas einfacheren Lösung konfrontiert. Denn selbst eure Couch und erst recht die allermeisten Schränke und sonstigen Möbel bestehen im Kern meist aus Holz. Allerdings wird’s hinter diesem Begriff wieder schwieriger, denn welcher hölzerne Grundstoff es sein soll, unterscheidet sich von vielen Faktoren:

  • dem geplanten Aufstellungsort (drinnen, draußen)
  • der wahrscheinlichen Belastung
  • der Bedeutung der Optik
  • dem Preis

Zu jedem dieser Punkte gibt es mal mehr, mal weniger passende Holzsorten. So sieht‘s aus:

  • Draußen braucht es witterungsbeständige Hölzer wie Teak, Douglasie, aber auch Eichenholz geht
  • Bei großen Belastungen muss Hartholz her, etwa Eiche, Buche, Ahorn oder Kirsche
  • Geht es um eine sehr raffinierte Optik, wollt ihr Oliven- oder Ebenholz, bzw. Nussbaum
  • Ist der Preis der bestimmende Faktor, kommen Weichhölzer wie Birke, Kiefer und Fichte zum Einsatz oder gleich Faserplatten wie MDF oder Multiplex.

Euer Problem wird sein, dass mehrere Faktoren zusammenkommen. Für eine Gartenbank wäre beispielsweise Eiche eine gute Wahl, denn sie ist sowohl witterungsbeständig wie stabil und kostet auch nicht so viel. Dennoch müsst ihr euch im Vorfeld sowohl über diese Faktoren im Klaren sein. Nichts ist nerviger, als im Schweiße seines Angesichts ein wunderschönes Bücherregal zu bauen, nur um nach einigen Monaten festzustellen, dass sich die Regalböden unter dem Gewicht durchbiegen.

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3. Das Finish

Nein, mit diesem Wort ist nicht gemeint, dass ihr schon am Ende seid, denn Finish ist der Oberflächenlook. Oben war bereits von Schelllack die Rede. Gutes Beispiel, denn dabei handelt es sich nicht nur um ein Naturmaterial (wird von Blattschildläusen produziert), sondern auch um eines, das seit Jahrhunderten im Möbelbau eingesetzt wird. Doch insgesamt stehen euch einmal mehr viele Optionen offen:

  • Ihr könnt das Holz lackieren. Damit sind der Farbe keinerlei Grenzen gesetzt und ihr bekommt eine blickdichte Oberfläche, die sogar Faserplatten unsichtbar macht. Mit der richtigen Farbe wird daraus auch eine wetterfeste Lösung.
  • Ihr könnt es auch ganz einfach beizen. Auch dabei gibt es farblich nur wenige Grenzen, aber die Beize lässt in jedem Fall noch die Holzmaserung durchschimmern, denn sie dringt in dessen Fasern ein und überdeckt sie nicht, wie es Lack tut. Toll, um beispielsweise hellem Tannenholz einen rustikaleren Look zu spendieren. Allerdings benötigt Beize für Außenmöbel einen zusätzlichen Witterungsschutz, etwa Klarlack.
  • Lasieren funktioniert ganz ähnlich wie Beizen, hat aber den Vorteil, dass die Lasur gleichzeitig auch Oberflächenschutz ist. Nachteil: Gute Lasuren können ins Geld gehen.
  • Ihr wollt Natur pur? Dann sind Holzöle euer Metier. Dabei wird oft Leinöl verwendet. Bei (fast) allen Ölen lässt sich zwar der Farbton nur um Nuancen verändern, dafür aber wird die Maserung schön hervorgehoben. Nachteil: Öl macht das Holz nicht unempfindlicher.
  • Ist das Holz schon „von sich aus“ bildschön und wollt ihr es bloß vor den Gefahren des Alltags (Wasserkränze, Essensflecken etc.) schützen, ist Wachs euer Ding. In der einfachsten Variante besorgt ihr euch dazu Bienenwachs vom Imker und verteilt es mit Pinsel und Haarfön. Ihr könnt aber auch auf andere Wachsprodukte zurückgreifen. Allerdings: Die Farbe lässt sich damit nicht gestalten.

Der Vorteil ist dabei, dass ihr manche dieser Schritte auch zusammen durchführen könnt. Beispielsweise könntet ihr einen Tisch aus Kiefernholz erst dunkler beizen und ihn danach durch Wachs versiegeln. Achtet aber immer darauf, dass ihr nie ölbasierend mit ölbasierend, bzw. wasserbasierend mit wasserbasierend mischt, sonst löst die eine Schicht mit etwas Pech die andere auf, beispielsweise wären Wasserbeize und wasserbasierender Klarlack keine guten Freunde.

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4. Der Trick mit der Palette?

Von Palettenmöbeln habt Ihr sicher schon gehört, einfach weil sie im DIY-Bereich heutzutage überall zu finden sind und wirklich unzählige Möbel-Variationen erlauben. Allerdings haben die Dinger, so vielfältig sie sich auch einsetzen lassen, sowohl Vor- wie Nachteile:

Vorteil: Sie bestehen aus sehr robustem Holz und geben euch bereits eine feste Form vor: Drei gestapelte, glattgeschliffene und gebeizte Paletten sind in Verbindung mit einer Glasplatte oben und vier Rädern unten schon ein passender Terrassen- oder Wohnzimmertisch.

Nachteil: Gebrauchte Paletten sind oft „vermackt“, neue „echte“ Paletten recht teuer und die „unechten“ Modelle, die es mittlerweile in den DIY-Ecken im Baumarkt gibt, bestehen mitunter aus weicheren Hölzern, sind also nicht so belastbar. Außerdem schränkt euch die Form auch in der Kreativität ein. Man kann es drehen und wenden, jedes Möbelstück wird nach Palette aussehen. Zumindest die echten Transportpaletten sind maschinell mit solchen „Knüppeln“ von Nägeln zusammengesetzt, dass es auch unheimlich schwer ist, sie in ihre Einzelteile zu zerlegen.

Fazit

Wenn ihr richtige DIY-Jedis sein möchtet, dann sind Möbel euer Ding. Allerdings reicht es nicht, sich auf Pinterest und Co. gute Ideen zu holen. Denn um Qualität zu bauen, müsst ihr euch vorher in die Materialkunde einlesen. Natürlich auch das Sparschwein für Werkzeug plündern. Doch: Es lohnt sich wirklich. Nicht nur weil die Projekte Spaß für Stunden bieten, sondern man damit auch die Quintessenz seiner Wohnungseinrichtung selbst bestimmen kann, statt sich auf die Massenware vom Möbelriesen zu verlassen, die oft auch noch von zweifelhafter Qualität ist.

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