Positive Fashion – Fashionweek Berlin

ethical fashion show

Auch diese Saison startete der Fashionweek-Marathon wieder in Berlin. Über 50 Designer zeigten direkt am Brandenburger Tor und auf diversen Nebenschauplätzen die Kollektionen für Herbst/Winter 2016. Auch im alten Postbahnhof war was los. Dort fand die Ethical Fashion Show inklusive Green Showroom statt. Nachdem HANDMADE Kultur letztes Jahr bereits an der Fast Fashion-Ausstellung in Hamburg war (wir berichteten hier), konnte ich mir diese Gelegenheit nicht entgehen lassen, mehr über das Thema zu erfahren. In den zwei grossen Messe-Hallen konnten diverse Labels ihre Kollektionen präsentieren, umrahmt von zwei Runway-Shows und diversen themenbezogenen Vorträgen. Viele der Labels haben wieder einmal mehr gezeigt, dass das verstaubte Öko-Image Schnee von gestern sein könnte, denn stylische UND nachhaltige Alternativen gibt es genug.
Allerdings muss ich sagen, dass ich die „Bilderbuch-Fashionistas“ an der Ethical Fashion Show fast umsonst gesucht habe. Das spiegelt leider auch das wider, was zwei Leiter großer Modehäuser bei einer Podiumsdiskussion gesagt haben: Das Bedürfnis nach nachhaltiger Mode ist in der breiten Bevölkerung leider noch nicht angekommen. Zwar gibt es immer wieder Kunden, welche nach ökologischen Produkten fragen, diese sind jedoch eindeutig noch in der Minderheit. Der ökologische oder soziale Aspekt sei höchstens ein Pluspunkt, für den der Normalverbraucher höchstens 15% mehr zu zahlen bereit sei.

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Die Konsumenten zu bewussterem Einkaufen anzuhalten, nützte in der Vergangenheit nichts. Es wurde also nach anderen Lösungen gesucht. Friederike von Wedel ist Leiterin des Studiengangs Sustainability in Fashion an der ESMOD und war eingeladen, einen Vortrag an der Ethical Fashion Show zu halten. Sie sieht die Lösung in einer Kombination aus bewusstem Konsum, ergo dem Verlängern der Lebensdauer eines Kleidungsstücks und der Rückführbarkeit in einen Kreislauf. In diesem Kreislauf müsste es möglich sein, ohne Verluste aus dem Textil wieder Rohstoffe für neue Textilien zu schaffen, vergleichbar mit dem Kreislauf des Wassers in der Natur. Auch plädiert sie dafür, dass wir unseren Qualitätsbegriff ändern müssen. Faktoren wie faire Produktionsbedingungen, Nachhaltigkeit und Langlebigkeit müssen eine grössere Rolle spielen, um das System langfristig zu verändern.
Um die Lebensdauer eines Kleidungsstücks zu verlängern, gibt es bereits viele schöne Möglichkeiten:
Secondhand
Da muss ich nicht mehr viel dazu sagen. Jemand hat ein gebrauchtes Kleidungsstück, bringt es in einen Laden und es wird Vintage weiter verkauft.

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Kleidertausch
Im Grunde genommen das gleiche Konzept wie beim Secondhand. Die Kleider bekommen ein zweites Leben, bloss geht es hier mehr ums Tauschen als ums Kaufen. Bei Swapparties bringen alle Teilnehmer Kleidung mit und können sich dafür andere mit nach Hause nehmen.

frog swap

 

Sharing
Ein eher neues Konzept ist es, dass man Kleider ausleihen kann, sie also gemeinsam benutzt. Bei Prêt à louer kann man sich Abendgarderobe bestellen, bei Kleiderei kann man sich Kleidung leihen.
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Leasing

Ein ähnliches Konzept hat zum Beispiel die Jeansmarke MUD aus Dänemark, welche ich an der Ethical Fashion Show kennen gelernt habe. Bei ihnen kann man sich Jeans für ein Jahr leasen. Nach Ablauf dieser Frist entscheidet man sich, ob man die Jeans behalten möchte oder ob man sie wieder zurück gibt. Wie bei einem Auto. Die getragene Jeans wird allenfalls repariert und wieder in den Verkauf zurück gegeben, oder das neue System von Mud kommt zum Zug. Sie schreddern die Jeans und machen daraus Strick-Sweater.

dogshopping
Und last but not least: DIY!
Aus ’nem alten Pullover was Neues zu machen, verlängert die Lebensdauer des Kleidungsstücks natürlich auch. Und darin ist die HANDMADE Kultur Community ganz große Klasse. Weiter so!

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Um die Kleidung, welche dann wirklich nicht mehr zu tragen ist, recyclen zu können, sind viele Produktionsschritte nötig, von welchen viele noch in der Entwicklung stecken. Aber die Forschung schläft nicht und Friederike von Wedel meint, dass die Industrie bereits in zehn Jahren soweit sein kann, dass Kleidung wieder in Fasern zerlegt werden kann und sich so der Kreislauf schliessen könnte. Klar ist aber, dass es nicht ohne uns Konsumenten geht. Wir müssen nachfragen, Interesse zeigen und mithelfen.

In diesem Sinne liebe Handmaids, bleibt am Ball.

Liebe Grüsse, Jill

PS: Falls die GIF’s sich nicht von selbst abspielen, einfach draufklicken!

 

Quellenangaben:

Logo ethical fashion show: messe frankfurt
GIF Regen: giphy.com
GIF Audrey Hepburn: giphy.com
GIF Männchen mit Hüten: giphy.com
GIF Kaugummi: giphy.com
GIF Hund: giphy.com
GIF Shirt und Schere: giphy.com

 

Text: Jill Böhringer

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