{"id":1881,"date":"2018-11-05T15:58:07","date_gmt":"2018-11-05T14:58:07","guid":{"rendered":"https:\/\/www.patterny.de\/?p=1881"},"modified":"2018-11-11T18:48:26","modified_gmt":"2018-11-11T17:48:26","slug":"es-wird-gemuetlich-leute","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.handmadekultur.de\/schnittmuster\/blog\/es-wird-gemuetlich-leute_1881\/","title":{"rendered":"Lang und weit. Das tragen wir morgen!"},"content":{"rendered":"<p><em>von D\u00f6rte Brilling<\/em><\/p>\n<p>Ich wei\u00df nicht, wie das passieren konnte, dass ich immer noch ein Abo des Spiegels habe. Bei Ausgaben wie #Frauenland finde ich das okay. Und es gibt noch andere Momente: Neulich zum Beispiel, da lag das sogenannte s-Magazin dabei, ein \u00fcberformatiges Etwas \u00fcber Stil, Trends und d<strong>as Ende der Menschheit<\/strong>.<\/p>\n<p>Das wurde \u2013 quasi nebensatzm\u00e4\u00dfig \u2013 ausgerechnet! von meiner Lieblingstrendforscherin Lidewij Edelkoort ausgerufen. Das ist die schlechte Nachricht. Die Gute ist: Davor wird es noch einmal richtig gem\u00fctlich. Denn die 68-j\u00e4hrige Koryph\u00e4e trifft ihre Trendaussagen nicht f\u00fcr das n\u00e4chste Jahr oder etwa f\u00fcr die kommende Saison (ihr erinnert euch? Das Gelb vom letzten Jahr &#8230;), alles &#8222;Bl\u00f6dsinn&#8220;, so Edelkoort, &#8222;Trends entwickeln sich unglaublich langsam&#8220; und wenn sie mal da sind, &#8222;bleiben sie uns sehr lange erhalten&#8220;.<\/p>\n<p>F\u00fcr alle Hobbyschneiderinnen, Selbern\u00e4herinnen, Schnittmusterliebhaberinnen hier ein paar nennenswerte Punkte aus einem Interview mit L.E.*, die uns zeigen, dass wir richtig weit vorne liegen, quasi TrendsetterInnen sind bzw. Trenderf\u00fcllungsgehilfInnen:<\/p>\n<p><strong>1.<\/strong> Die Technisierung des Lebens und unseres Alltags l\u00e4sst uns nach Geborgenheit sehnen. Wir verbringen wieder mehr Zeit zu Hause und kapieren, dass man Karriere auch woanders als im B\u00fcro machen kann. Dieser Entwicklung tr\u00e4gt die Mode Rechnung, indem sie den sogenannten <strong>Homeoffice-Lifestyle<\/strong> bedient, der sehr bequem ist und aus hochwertigen, hautfreundlichen Materialien besteht.<\/p>\n<p><em>(Ich erinnere mich, wie mich eine Freundin vor ein paar Jahren schon fragte, ob ich nicht mal einen Schnitt machen k\u00f6nnte, f\u00fcr bequeme Kleidung, aber doch irgendwie so, dass man sich damit gut angezogen f\u00fchlt und auch, wenn man zu Hause arbeitet, ohne schlechtes Gewissen dem Postboten die T\u00fcr \u00f6ffnen kann. Ja, meine Freundin E. ist quasi das Paradebeispiel f\u00fcr dieses Bed\u00fcrfnis.)<\/em><\/p>\n<p><strong>2.<\/strong> Das <strong>Thema Freizeit<\/strong> wird mehr zelebriert. Dieser Podest-Status sorgt ebenfallls f\u00fcr ein modisches Diktat in Richtung Anti-Business bzw. Anti-Steifheit, deren konsequente Stilauspr\u00e4gungen ohnehin immer seltener werden. Man geht in Jogginghosen, zur Not aus Cashmere ;), zur Arbeit und tr\u00e4gt dazu Hoodie und NMDs. <strong>Hauptsache leger!<\/strong><\/p>\n<p><strong>3.<\/strong> \u00dcberall auf der Welt beobachten wir, wie die Menschen sich aus den unterschiedlichsten Gr\u00fcnden (man liest nahezu t\u00e4glich von schweren Mi\u00dfbrauchsvorw\u00fcrfen gegen\u00fcber Kindern und jugendlichen Heranwachsenden durch kirchliche W\u00fcrdentr\u00e4ger) von den Religionen abwenden. Die Mode wird diese Leerstelle versuchen aufzufangen, indem sie sich, laut L.E., sehr vieler ihrer Ausdrucksformen bedient. &#8222;<strong>Umschlie\u00dfende Umh\u00e4nge und schwebende Roben<\/strong>, gewickelte M\u00e4ntel, Tuniken, lange Strickwaren und Jerseys werden eine neue, <strong>verl\u00e4ngerte Silhouette<\/strong> hervorbringen. Dazu kommen Accessoires wie Rosenkr\u00e4nze, folkloristische B\u00e4nder und Anleihen aus anderen sprirituellen Richtungen wie Taoismus oder Voodoo.&#8220;<\/p>\n<p><em>(Es ist kaum vorstellbar, dass das, was fr\u00fcher f\u00fcr das Kapuzenshirt galt, in zehn, zwanzig Jahren f\u00fcr das Priestergewand gelten soll, aber all das ist sehr aufregend! F\u00fcr die Schnittmustermacher von Patterny nat\u00fcrlich auch ein Auftrag, damit ein bisschen rumzuexperimentieren. \u00dcbrigens: In meiner K\u00fcche h\u00e4ngt bereits ein selbst gebastelter Mini-Altar.))<\/em><\/p>\n<p><strong>4. Warme Erdt\u00f6ne! <\/strong>Sowohl in der Mode aus auch in der Inneneinrichtung.<\/p>\n<p><em>(Witzig: In meinem Schlafzimmer schaut man vom Bett aus auf einen Dschungel auf Tapete. Und der dichte Wald soll nun bald auch an der Wohnzimmerwand wachsen. Das lebendsfeindliche, technisierte Au\u00dfen hat als Korrelat das lebensbejahende, lebendige Innere.)<\/em><\/p>\n<p>5. Der Mensch will sich in Zukunft verbundener f\u00fchlen. Mit seiner Umwelt und den Menschen, die ihn umgeben. Diese Verbundenheit (= Pers\u00f6nlichkeit + Kreativit\u00e4t) soll einflie\u00dfen in jedes Produkt. &#8222;Es wird Schilder in Kleidungsst\u00fccken geben, auf denen steht: &#8218;<strong>Gefertigt von einem Menschen<\/strong>&#8218;. Denn Ware von einem Roboter kann jeder haben.&#8220;<\/p>\n<p><em>*Quelle: Die Zitate, allesamt von L. Edelkoort, stammen aus einem Interview mit dem Titel: &#8222;Das Flirten stirbt auf jeden Fall aus&#8220;, das Anne Backhaus f\u00fcr den Spiegel f\u00fchrte. Ihr solltet unbedingt versuchen, an diese Ausgabe zu kommen, hier kann man sie beziehen: <a href=\"https:\/\/magazin.spiegel.de\/SP\/2018\/41\/159790176\/index.html\">Ausgabe 41\/2018<\/a><\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von D\u00f6rte Brilling Ich wei\u00df nicht, wie das passieren konnte, dass ich immer noch ein Abo des Spiegels habe. 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