Im Herbst sieht ein abgeerntetes Beet schnell nach Feierabend aus. Tomaten raus, Zucchini weg, Werkzeug sauber machen und bis März nur noch aus dem Fenster schauen? Wäre schade. Denn September und Oktober sind für einige Gemüse und Kräuter keine Schlussrunde, sondern der Start in die Wintersaison. Wer jetzt noch säen möchte, sollte sich allerdings sputen. Und wer etwas später dran ist, kann rechtzeitig Wintergemüse Pflanzen kaufen und mit vorgezogenen Jungpflanzen ein paar entscheidende Wochen gewinnen. Mit frostharten Sorten, dem richtigen Zeitpunkt und etwas Kälteschutz lässt sich von November bis März erstaunlich viel ernten. Dafür braucht es weder einen riesigen Garten noch ein beheiztes Gewächshaus.
Jetzt pflanzen, im Winter ernten
Wer Wintergemüse und Gartenkräuter im Herbst anbauen möchte, sollte ihnen vor dem ersten stärkeren Frost genügend Zeit zum Anwachsen geben. Als Faustregel gilt: Jungpflanzen spätestens sechs bis acht Wochen vorher ins Beet setzen. In vielen Regionen Deutschlands treten die ersten Fröste zwischen Ende Oktober und Mitte November auf. Der genaue Zeitpunkt hängt natürlich von Region, Höhenlage und Wetter ab.
Wer die Aussaat verpasst hat, kann mit vorgezogenen Wintergemüse-Pflanzen Zeit gewinnen. Sie haben gegenüber frisch ausgesätem Gemüse einen ordentlichen Vorsprung und können sich im Herbst noch im Beet etablieren.
Das Prinzip dahinter ist erfreulich unkompliziert: Wir setzen auf Pflanzen, die niedrige Temperaturen vertragen. Einige Wintergemüse kommen je nach Art und Sorte mit Temperaturen zwischen etwa −5 °C und −15 °C zurecht. Einen beheizten Wintergarten braucht es dafür nicht. Häufig reichen Vlies, Mulch oder ein einfacher Folientunnel.
Auch Hochbeet, Balkon und größere Kübel eignen sich für den Winteranbau. Hier muss man allerdings bedenken, dass Erde in Gefäßen schneller durchfriert als Gartenboden. Töpfe sollten deshalb möglichst geschützt stehen und bei Bedarf zusätzlich isoliert werden.
Welches Wintergemüse hält wirklich etwas aus?
Nicht jede Pflanze, die im Herbst noch munter aussieht, möchte Weihnachten im Beet verbringen. Einige Gemüse sind dagegen erstaunlich hart im Nehmen. Und bei manchen wirkt sich Kälte sogar positiv auf den Geschmack aus.
Diese Sorten eignen sich gut für den Winteranbau:
- Grünkohl: Je nach Sorte frosthart bis etwa −15 °C. Aussaat Juli bis August, Pflanzung im Spätsommer beziehungsweise Frühherbst, Ernte etwa November bis Februar.
- Feldsalat: Aussaat August bis September, Ernte ab Oktober und je nach Bedingungen bis ins Frühjahr. Etablierte Pflanzen vertragen Frost bis ungefähr −10 °C.
- Winterportulak: Gut für Hochbeet und Kübel geeignet und kältetolerant bis etwa −8 °C.
- Pastinaken: Können über Winter im Boden bleiben. Kälte macht die Wurzeln häufig sogar süßer.
- Rosenkohl: Braucht einen langen Vorlauf und wird bereits im Mai oder Juni ausgesät. Geerntet wird etwa von Oktober bis März.
- Schwarzwurzel: Bleibt als praktischer Wintervorrat im Boden und kann nach Bedarf geerntet werden, solange dieser nicht gefroren ist.
- Winterspinat: Sorten wie ‘Monstrueux de Viroflay’ können im September und Oktober ausgesät werden und vertragen leichten Frost.
ür alle, die mehr Kontrolle über das Klima wollen, bietet sich ein einfaches Mini-Gewächshaus an. Auf Handmade Kultur findest du dazu eine tolle Anleitung: Wintergemüse im Gewächshaus anbauen – das Prinzip lässt sich mit wenigen Handgriffen auch für Winterkulturen umrüsten.
Das Wichtige in Kürze:
- Frost kann bei einigen Wintergemüsen das Aroma verbessern.
- Grünkohl, Feldsalat und Pastinaken sind unkomplizierte Kandidaten für den Einstieg.
- Wer im Herbst spät startet, ist mit Jungpflanzen schneller als mit einer Aussaat.
- Hochbeete und Kübel funktionieren ebenfalls, brauchen bei starkem Frost aber mehr Schutz.
Kräuter: Wer darf draußen bleiben?
Auch das Kräuterbeet muss im Herbst nicht geschlossen werden. Einige mehrjährige Küchenkräuter sind robuster, als man ihnen zutraut. Und wer auch im Winter gern mit Gartenkräutern kochen möchte, kann jetzt dafür sorgen, dass die Gesundmacher Thymian, Rosmarin & Co. möglichst lange erntereif bleiben. Ein paar Töpfe auf Fensterbank oder geschütztem Balkon ergänzen das Freilandbeet.
Diese Kräuter können draußen überwintern:
- Thymian: Sehr frosthart, viele Sorten vertragen etwa −15 °C. Ein trockener, durchlässiger Standort ist wichtig.
- Rosmarin: Je nach Sorte unterschiedlich winterhart. Robuste Sorten können etwa −10 °C vertragen, brauchen aber einen geschützten Standort und vor allem keine Staunässe.
- Salbei: Übersteht Frost, bei längeren starken Minusgraden hilft ein Schutz aus Vlies oder Reisig.
- Schnittlauch: Zieht im Winter ein und treibt im Frühjahr wieder aus. Im Topf kann er auch ins Haus geholt werden.
- Winterbohnenkraut: Ist mehrjährig und deutlich winterhärter als das einjährige Sommerbohnenkraut.
Und dann gibt es die Kandidaten für Fensterbank, Gewächshaus oder geschützten Balkon:
- Petersilie: Keimt langsam, kann aber im Herbst noch im Topf kultiviert werden.
- Koriander: Verträgt leichten Frost und lässt sich gut im Topf ziehen.
- Rucola: Wächst schnell und eignet sich gut für Anzuchtschalen und Töpfe.
Mehrjährige Kräuter können im Herbst noch ins Beet oder in frostfeste Töpfe gesetzt werden. Einjährige Kräuter sind in Töpfen flexibler, weil sie bei Bedarf an einen geschützteren Ort umziehen können. Nur bitte nicht erwarten, dass eine Petersilie im Dezember auf der Fensterbank dasselbe Wachstumstempo hinlegt wie im Mai. Auch Kräuter merken, dass Winter ist.
Kälteschutz: Es muss nicht gleich ein Gewächshaus sein
Beim Winteranbau ist Frost nur ein Teil des Problems. Staunässe kann mindestens genauso gefährlich werden. Wurzeln, die über längere Zeit in nasser, kalter Erde stehen, haben schlechte Karten.
Deshalb vor dem Pflanzen:
- Boden lockern und mit reifem Kompost versorgen. Die Pflanzen sollen vor dem Winter noch gut anwachsen.
- Wasserabzug prüfen. Schwere, lehmige Böden bei Bedarf mit geeignetem mineralischem Material durchlässiger machen.
- Windgeschützte Plätze nutzen. Hauswand, Zaun oder Hecke können einen deutlichen Unterschied machen.
- Kübel nicht direkt auf kalten, nassen Boden stellen. Kleine Füße oder Holzleisten verbessern den Wasserabzug.
Für zusätzlichen Schutz braucht es keine große Konstruktion.
Einfacher DIY-Kälteschutz:
- Vlies mit etwa 17 g/m²: leichter Schutz, laut gängigen Herstellerangaben ungefähr bis −2 °C.
- Vlies mit etwa 30 g/m²: stärkerer Schutz, häufig ungefähr bis −5 °C angegeben.
- Doppeltes Vlies: kann den Schutz auf etwa −8 °C erhöhen.
- Folientunnel: je nach Konstruktion und Wetter sind ungefähr −10 °C möglich.
- Mulch: Eine etwa 5 bis 10 cm dicke Schicht aus Stroh oder geeignetem Laubkompost schützt den Wurzelbereich und bremst starke Temperaturschwankungen.
(Die Temperaturwerte sind Richtwerte. Wind, Feuchtigkeit, Sonneneinstrahlung, Dauer des Frosts und die Konstruktion selbst beeinflussen die tatsächliche Schutzwirkung.)
Einen kleinen Tunnel kann man problemlos selbst bauen: Bögen aus Haselnussruten oder stabilem Draht über das Beet stecken, Vlies oder Folie darüberziehen und an den Seiten befestigen. Fertig ist das Mini-Gewächshaus. Bei Folie an sonnigen Tagen das Lüften nicht vergessen. Auch im November kann es darunter überraschend warm werden.
Der Ernteplan für die kalte Jahreszeit
Pflanze | Aussaat/Pflanzung | Ernte | Kältetoleranz |
Grünkohl | Juli–Aug / Spätsommer | Nov–Feb | je nach Sorte bis ca. −15 °C |
Feldsalat | Aug–Sep | Okt–März | ca. −10 °C |
Winter-portulak | Spätsommer bis Herbst | Herbst bis Frühjahr | ca. −8 °C |
Winterspinat | Sep–Okt | Nov–Jan bzw. Frühjahr | leichter Frost |
Rosenkohl | Mai–Juni | Okt–März | frosthart, sortenabhängig |
Pastinaken | Frühjahr | Herbst–Winter | sehr frosthart |
Schwarz-wurzel | Frühjahr | Herbst–Winter | kann im Boden bleiben |
Thymian | mehrjährig | ganzjährig | bis etwa −15 °C |
Rosmarin | mehrjährig | ganzjährig | je nach Sorte bis etwa −10 °C |
(Alle Angaben sind Richtwerte. Sorte, Region, Standort und Wetter entscheiden darüber, wann tatsächlich gesät, geschützt und geerntet werden kann.)
Und genau das macht den Wintergarten eigentlich ganz sympathisch: Man muss ihn nicht mit großem technischen Aufwand austricksen. Man muss nur Pflanzen anbauen, die mit der Jahreszeit etwas anfangen können.
Dann steht man im Januar eben nicht vor einem leeren Beet, sondern mit Schere und Erntekorb darin. Zugegeben, Grünkohl bei drei Grad und Nieselregen zu ernten hat weniger Postkartenpotenzial als Tomatenpflücken im August.
Aber spätestens in der Küche ist das ziemlich egal.
In diesem Sinne – Frohes Frosternten! Eure Dörte
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