Mit dem Hobby Geld verdienen

20141220 Holyshitshopping 2014 - Römerkastel Stuttgart - Datum 20.12.2014 - Foto Ferdinando Iannone

Holyshitshopping Stuttgart 2014, Foto: Ferdinando Iannone

Mit Spaß ein paar Kröten verdienen? Unser Gastautor Sandro Spiess, Marketing Manager Deutschland von Eventbrite, gibt euch in seinem Artikel Tipps, wie Ihr eure selbstgemachten Produkte mit Hilfe von Designmärkten, Online-Plattformen und Workshops professionell vermarkten könnt und was ihr dabei rechtlich beachten müsst.

Mit dem Hobby nebenbei Geld verdienen – so geht’s
Wer ein kreatives Hobby hat, also z.B. gerne strickt, näht, bastelt oder backt, kennt das bestimmt: Freunde und Bekannte erwähnen immer wieder, dass man sich mit dem Verkauf dieser großartigen Produkte doch glatt selbstständig machen könnte. Das ist leicht dahergesagt, und es ist nicht jedermanns Sache, aus dem Hobby gleich einen Vollzeitjob zu machen.
Aber nebenbei mit dem eigenen Hobby Geld zu verdienen, vielleicht um zu testen, ob das Ganze auch im großen Stil funktionieren könnte, ist einfacher, als manche denken. Zum Einen, weil handgemachte, authentische Waren als Gegenpol zu industriell hergestellter Massenware gerade sehr beliebt sind – die Nachfrage ist also da. Und zum Anderen, weil es heute einfacher als je zuvor ist, nicht nur die handgemachten Produkte an Frau und Mann zu bringen, sondern auch (bezahlte) Kurse zu organisieren, bei denen man sein Wissen und die Begeisterung für das eigene Hobby weitergeben kann. Aber der Reihe nach:

Der Klassiker: Verkauf am Marktstand
An Flohmärkte, Weihnachtsmärkte und Wochenmärkte denken wohl die Meisten, wenn sie sich überlegen, ihr Handgemachtes zu verkaufen. Mit am Start sind seit Kurzem neue Marktformate wie das “Holy Shit Shopping”: Pop-up Kreativkaufhäuser mit Beats, Drinks und Streetfood, spezialisiert auf handgemachte Designartikel, die einen hippen Kontrapunkt zum gemächlichen Weihnachtsmarkt setzen. Die Vorteile einer Marktpräsenz liegen auf der Hand: die Ausgaben sind überschaubar, man kann ohne Umschweife und gegen Bargeld verkaufen und hat nach einem langen Tag alle Erlöse in der Tasche. Wichtig dabei ist, rechtzeitig zu planen und eine Stellfläche zu buchen. Gerade Stände auf Weihnachtsmärkten sind schwer begehrt und oft schon Monate vorab vergeben.

Koeln

Foto: Team Deluxe

Versand über Online-Marktplätze
Online-Marktplätze sind kein neues Phänomen. Das Prinzip des ehrlichen Vermittlers zwischen Verkäufer und Käufer machen Ebay und Amazon seit über einem Jahrzehnt vor. Relativ neu dagegen sind spezialisierte Online-Marktplätze für Handgemachtes. Einer der weltweit bekanntesten ist Etsy, hierzulande macht sich das deutsche Portal DaWanda einen Namen. Die funktionieren im Grunde ähnlich wie der klassische Markt im echten Leben, nur eben auf Distanz und mit Postversand, rund um die Uhr und mit einer deutlich größeren Zahl an potenziellen Käufern.
Wie beim klassischen Markt ist der Start auch hier recht einfach: Man registriert sich beim jeweiligen Marktplatz, gestaltet in wenigen Schritten und ohne IT-Kenntnisse den eigenen Online-Shop mit Bildern und Beschreibungen. Vorausgesetzt es finden sich die ersten Käufer, können Hobbyunternehmer direkt als Mini-Kreativversandhändler/in loslegen, während der Online-Marktplatz den Zahlungsverkehr übernimmt. Die Kosten für den Online-Verkauf sind überschaubar: Ein Produkt einstellen kostet nur wenige Cent, bei Verkauf fällt eine einstellige prozentuale Provision an.

Doppelt sinnvoll: Kurse und Workshops anbieten
Viele Hobbykreative vernachlässigen über ihre Waren den Wert ihres Wissens und ihrer Expertise. Auch damit können sie nämlich Geld verdienen, indem sie bezahlte Kurse und Workshops anbieten. Mit regelmäßigen Veranstaltungen kann man sich darüber hinaus eine engagierte Community aufbauen. Die ist zum Einen potenzielle Kundschaft für die eigenen Produkte, aber vor allem Multiplikator für weitere Kurse: Wem ein Kurs gefällt, der erzählt es weiter, an andere Hobbyisten. Und ganz abgesehen vom schnöden Geld verdienen macht es auch unheimlich viel Spaß, das eigene Hobby mit anderen Enthusiasten zu teilen.
Mit einer Online-Ticketingplattform wie Eventbrite sind die eigenen Veranstaltungen schnell online publiziert und können, z.B. über soziale Medien oder eigene E-Mail-Listen, beworben werden.
Potenzielle Kursteilnehmer können sich dann mit wenigen Klicks anmelden und direkt online bezahlen, die Zahlungsabwicklung übernimmt Eventbrite. Für verkaufte Anmeldungen fallen dabei überschaubare Gebühren an, für kostenlose Veranstaltungen zahlt man nichts.

Die rechtliche Lage: Sicher ist sicher
Wer Gewinn macht – sei es aus dem Verkauf von Waren oder mit bezahlten Kursen – muss diesen versteuern. Zumindest dann, wenn die gesamten persönlichen Einnahmen im jeweiligen Steuerjahr (dazu zählt übrigens auch der Lohn vom “echten” Job) den Grundfreibetrag übersteigen. 2015 lag dieser bei 8.472 Euro; jeder darüber hinaus verdiente Euro muss versteuert werden. Kleines Trostpflaster: alle Ausgaben im Zusammenhang mit dem Nebenerwerb, z.B. die Standmiete, Rohmaterialien bzw. Zutaten, Telefon -, Porto- oder Fahrtkosten können in der Steuererklärung als Betriebsausgaben abgesetzt werden.
Wer zudem selbstständig und regelmäßig, entgeltlich und zum Erzielen von Gewinnen handelt, muss ein Gewerbe anmelden. Das gilt für den eigenen Marktstand genauso wie für den Verkauf über Online-Marktplätze und das Anbieten von bezahlten Veranstaltungen. Infos darüber, was genau ‘selbstständig und regelmäßig’ heißt, gibt es in der Regel beim Gewerbeamt und teilweise auch bei der Industrie- und Handelskammer (IHK). Gewerbescheine kosten übrigens nicht die Welt: die Bearbeitungsgebühr einer Gewerbeanmeldung ist zwar von Kommune zu Kommune unterschiedlich – bei einigen ist sie kostenlos – meistens liegt die Gebühr jedoch irgendwo zwischen 20 und 40 Euro.

Text: Sandro Spiess

 

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