Ausmisten? Gerne. Aber wohin mit dem ganzen Kram?

Reduzieren ist das neue Konsumieren! Viele können’s erst gar nicht, und die, die’s machen, laden ihren Kram eigentlich nur vor die Haustür der anderen. Wie macht man’s richtig? Gibt es das in diesem Fall überhaupt?

Ich weiß ja nicht, wie es euch geht, aber das Frühjahr steht vor der Tür (endlich!) und ich werde langsam „nervös“. Die Gardinenstange könnte mal wieder lackiert werden, neue Vorhänge, auch keine schlechte Idee. Aber der ganze Kram drumherum, unnötiger Ballast. Die Kuchenplatte aus Glas in rot zum Beispiel, nimmt ’ne Menge Platz weg und braucht kein Mensch. Oder die Kerzenständer. Sind die eigentlich noch aus dem letzten Jahrhundert? Sieht ganz so aus. Nee, nicht retro, einfach total durch. Die lila farbene Schüssel tut noch voll ihren Dienst, passt aber leider überhaupt nicht zu meinem Farbkonzept in Natur & Leinen. Und so könnte ich euch mit durch meine Wohnung nehmen und wir kämen nach Stunden (vermutlich) zum Ende. In der Hand hielte ich eine lange Liste, mit Dingen, die ich nicht mehr brauche, die letzten zwei Jahre nicht mehr in der Hand hatte, nicht mehr passen, Staubfänger … what ever.

Foto: knallgrün / photocase.de

Ein Freund von mir (samt Frau!) entschloss sich, mal richtig auszumisten. Jeden Tag ein paar Sachen, am ersten eine, am zweiten zwei und so ging es hoch bis 30. Am letzten Tag also 30 Dinge. Vom Schlüsselanhänger bis zum Eierlöffel, alles zählt. Die Beiden waren so begeistert von ihrem neuen entschlackten Leben, dass sie freiwillig verlängerten und die Sache noch einmal von hinten nach vorne durchzogen.

Vor ein paar Tagen kam eine Freundin und Kollegin zu uns ins Büro und verkündete stolz, dass sie ein paar Sachen ausrangiert hätte und ob wir nicht irgendwas davon gebrauchen könnten. „Was nicht, kann weg!“, so die Reducerin.

Tja, und da geht das Dilemma los: „Was nicht, kann weg!“ Ist schnell gesagt, aber so schwer getan. Die Heidi-Kette mit den Herzchen dran, für Oktoberfestfans (okay, in Hamburg eher selten), ein echtes Schmankerl. Oder die opulente Kette mit den echten Steinen. Die kann man doch nicht einfach wegschmeißen (obwohl ich so eine Schleuder nie an meinen Hals lassen würde, es sei denn, ich hätte damit etwas ganz Fieses vor). Die Kunstpostkarten von 1920. Seid ihr verrückt? Die können nun wirklich nicht ins Altpapier.

In dem Moment hatte ich eine Vision: Jede Zeitschrift, jedes Ratgeberbuch schwärmt in den höchsten Tönen vom neuen Reducing. Aber keiner sagt einem, was nach dem Happy End (alles raus!) kommt. Mir schwant, warum. Weil es das nämlich nicht gibt! Kann es gar nicht. Was wäre, wenn alle reduzieren würden? Wohin damit? Ist das Abfall? Wohlstandsmüll? Wohlmöglich nicht recycelbar? Bin ich dann ein Umweltverschmutzer? Die Antwort: JA.

Klamotten z. B. bestehen in unseren Fast Fashion Zeiten oftmals nur noch aus Poly. Poly = Plastik = 500 Jahre. Schon klar, oder? Und auch nach diesen 500 Jahren löst sich das Ganze nicht einfach in nichts auf. Es wird nur immer kleiner. Und gelangt damit immer leichter ins Grundwasser, in die Meere … in die Mägen von Mensch und Tier. Wenn also die Freundin, gut gemeint natürlich, ihr kurzes Schwarzes bei mir lässt, dann ist das eigentlich nur eine Verlagerung des Problems. Von ihrem Gewissen auf meins.

Was also tun?

 

 

 

 

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5 Kommentare
  1. Klar, Flohmarkt und Sozialkaufhaus sind gute Aktionen, verteilen aber eigentlich auch nur um. Es gibt einfach zu viele Dinge und zu wenige Menschen, die diese Dinge tatsächlich noch „brauchen“. Es sei denn, man verschifft alles nach Afrika, wie ja vielerorts noch praktiziert. Manche afrikanischen Länder haben schon einen Einfuhrstopp verhängt, für Textilmüll z. B., weil die einheimische Produktion dadurch total zum Erliegen kam. Damit helfen die westlichen Länder der Dritten Welt auch nicht. Zumal es so oder so keine Hilfe ist, sondern nur ein Ablagern des Plastikmülls nicht auf unsere Mülldeponien, sondern auf die der Dritten Welt.
    sb hat Recht, wenn er/sie sagt, die Wissenschaftler sind gefragt, die Ingenieure. Die traurige Wahrheit: all diese klugen Produkte gibt es schon. Auslegware, die uns nicht mit Weichmachern und Feinstaub vergiftet, Verpackungsmaterial, komplett kompostierbar, Farben (Siehe Druckindustrie), die komplett abbaubar sind. Cradle to cradle nennt sich das, alles schon da! Aber es gibt eben auch eine große Lobby in Industrie und Wirtschaft, die kein Interesse daran hat, gesunde Produkte herzustellen. Warum? Aus Habgier, weils immer schneller, weiter, höher, mehr sein muss. Bevor es da kein Umdenken gibt, gesellschaftlich, im Großen und Ganzen, und zwar nicht nur vom Verbrauchen (ja, wir haben die Macht und zwar die größte!!!), sondern auch von Politik und Wirtschaft … sehe ich schwarz. Nein, das tue ich natürlich nicht, aber ich frage mich schon, wo bleiben die großen Denker diese Zeit? Die wirklich mal die großen Systeme aufspannen, wie es denn gehen könnte, wirtschaftlich, gesellschaftlich, politisch. Dass keiner Angst hat, wir alle füreinander einstehen, nur das tun, was gut für uns und alle nachfolgenden Generationen ist, anstatt die ganze Zeit von Hygge, Denk positiv! und Slow Life zu labern. Da wir darauf aber nicht warten sollten, lasst uns einfach anfangen. Die Vergangenheit können wir nicht ändern. Aber die Zukunft können wir beeinflussen durch das Jetzt und Heute. Kaufen wir wirklich nur noch das, was wir wirklich benötigen. Und wenn möglich, dann aus so einem Material, das wir ohne mit der Wimper zu zucken, durchaus mit der Komposterde vermengen könnten, auf die wir später unser Gemüse säen. Was meint ihr, ist das ein Anfang?

  2. Richten wir den Blick auf die komische Seite: Was tun? Annahme verweigern oder sofort weiterreichen. „Just in time“, das Prinzip des minimalen Lageraufwandes hilft auch hier. Wir befinden uns schon lange in einer großen Wolke wandernder Dinge, da kommt es auf das kleine Schwarze nicht mehr an.
    Positiv gesehen schafft das kleine Schwarze Kontakt und soziales Miteinander. Negativ gesehen wird es hoffentlich irgendwann einer Verwertung zugeführt, die für uns alle verträglich ist. Auf, auf, ihr kreativen Ingenieuere, Chemiker, Logistiker u.ä. Da ich beruflich und fachlich nicht produziere bleibt mir nur der Konsumverzicht bzw. der kritische Konsum. Nun denn, üben soll ja helfen ;)

  3. Vielleicht da anfangen womit es eigentlich beginnt? Weniger konsumieren? Den meisten Mist brauchen wir doch gar nicht. Wozu 30 t- shirts im Schrank? Ich kann doch nur immer eines anziehen… Auf Kwalität und Umweltbelastung bei der Herstellung achten hilft bestimmt auch. Da wo möglich aus der Wegwerfgesellschaft aussteigen? Auch viele kleine Beiträge helfen auf die Dauer. Nichts tun ist auch keine Option, oder?

  4. Ja genau so ist es.

  5. Vielleicht auch eine Wahrheit zu dem Thema, aber vielleicht mal als Beispiel: Ich sortiere den doppelten Kochlöffel aus, den ich nie nutze und lege ihn im Sozialkaufhaus in die „zu verschenken“ Kiste. Es freut sich vielleicht jemand, der garkeinen hat und einen hätte neu kaufen müssen. Auf Dauer wäre es ein postiver Effekt, wenn alle es so machen :)

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