Kamera läuft!

Die Videobloggerin Lisbeth von YouAndIHeartDIY bannt ihre DIYs gerne auf digitales „Celloloid“. Worauf man dabei achten sollte und wie es geht, erklärt sie an dieser Stelle exklusiv für alle HANDMADE Kultur Craftistas. Nachmachen erwünscht!

Text: Elisabeth Bahlke, Illustration: diekreatur.net

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(Blaue Schrift = ergänzende Ausführungen zu dem Artikel in der HANDMADE Kultur 1/2014)

1.  IDEE
—–//Jedes DIY-Video beginnt mit einer guten Idee: Ist Omas Apfelkuchenrezept einfach zu gut, um es für sich zu behalten? Oder bist du vielleicht eine der Wenigen, die noch Occhis häkeln können? Oder gibt es etwas, was du und nur du am besten kannst? Dann teile dein Wissen mit anderen und das am besten per Video-Tutorial! Du wirst sehen, wie sehr du anderen damit hilfst. Denn in einem Video kannst du Schritt für Schritt zeigen, wie etwas funktioniert und es gleichzeitig erläutern. Das Tolle daran: Du übernimmst alle Aufgaben selbst. Du bist Darsteller, Regisseur, Drehbuchautor, Kameramann, Cutter, vielleicht sogar Komponist? Also: Film ab! //—-

2. AUSRÜSTUNG

Kamera oder Camcorder
—–//Fast jeder von uns besitzt bereits eine Kamera. Wer also nur hin und wieder mal einen Film drehen möchte, der sollte sich zunächst seine Kamera anschauen. Mit den meisten Geräten kann man nämlich auch filmen. Prüft also, wie gut das mit eurem Modell geht und ob die Auflösung der Bilder ausreichend ist.
Wenn du dir eine neue Kamera oder einen Camcorder anschaffen möchtest, dann überlege dir, welche Funktionen dir wichtig sind. In jedem Fall solltest du aber bedenken: Camcorder eignen sich besser zum Filmemachen, Kameras zum Fotografieren! Was ist dein Schwerpunkt? Wenn du das entschieden hast, checke einige Dinge noch mal vor dem Kauf:

Stabilität, Größe und Gewicht
Das Gehäuse verrät bereits einiges über die Qualität des Gerätes. Welche Materialien wurden verwendet? Leichtes Plastik, robuste Kunststoffe oder stabile Metalle? Wie wurden bewegliche Elemente verbaut? Nimm das Gerät auf alle Fälle in die Hand und verstelle die Rädchen, dann bekommst du bereits ein Gefühl dafür.
Wie groß und handlich ist das Model? Wenn du mit deiner Kamera auch filmen willst, solltest du testen, wie gut sie in der Hand liegt und ob sie auf Dauer nicht zu schwer wird. (Hier sind Camcorder eindeutig im Vorteil. Sie haben oft einen Festhalteriemen und sind ergonomisch optimiert.)
Prüfe auch die Qualität des Suchers und schau, wie lange die Kamera vom Einschalten bis zum Filmstart benötigt? Das muss nämlich manchmal ganz schnell gehen.

Bildqualität
Über die Bildqualität entscheidet nicht nur, aber auch: die Auflösung. Sie wird in Pixeln angegeben. Um so größer die Pixelanzahl, um so besser die Bildauflösung.

Display
Wenn du dich selbst filmen möchtest, ist ein schwenkbares Display ganz wichtig. Denn damit kannst du den richtigen Bildausschnitt wählen. Das bieten leider die wenigsten Kameras, aber dafür fast alle Camcorder. Wie groß ist das Display? Hat es eine Touchfunktion und wie gut funktioniert die?

Akkulaufzeit
Ein gutes Durchhaltevermögen des Akkus kann bei Videoaufnahmen sehr vorteilhaft sein.

Zubehör
Was ist mit dabei? Ein zusätzlicher Akku, eine große Speicherkarte?

Objektiv/ Filtergewinde
Für semiprofessionelle Aufnahmen ist es wichtig, Objektive wechseln zu können oder einen Filter vor das Objektiv schrauben zu können.

Lichtstärke
Aufnahmen bei natürlichem Licht wirken immer besser. Deshalb ist es wichtig, dass die Kamera einen starken Sensor hat, denn der sorgt dafür, dass man gute Aufnahmen bei schwachem Licht machen kann.

Schnittstellen
Das Gerät sollte über folgende Schnittstellen verfügen: i.Link Firewire/IEEE-1394, USB, S-Video Aus- und Eingang, AV Aus- und Eingang und DV Aus- und Eingang.

Manuelle Einstellungen
Fast jede Kamera kann im Automatik- bzw. manuellem Modus fotografieren. Die erste wichtige manuelle Einstellung ist die des Zooms. Man unterscheidet zwischen optischem und digitalem (auch: elektronischem) Zoom. Beim optischen Zoomen bleibt die Bildqualität erkalten. Bei einem digitalen Zoom wird das Bild pixeliger. Umso größer der optische Zoomfaktor, desto besser.
Fokussieren kann man manuell oder automatisch. Einige Camcorder haben keinen manuellen Focus. Bei den Kameras wiederum ist der Autofokus oft relativ geräuschvoll. Das kann beim Filmen sehr störend sein.
Die sogenannten Bildstabilisatoren sorgen vor allem beim Freihandfilmen für ein ruhiges Bild. Auch hier gibt es optische und elektronische Bildstabilisatoren; meine Empfehlung: die optische Stabilisierung.
Neben der Bildqualität ist die Tonqualität bei einem Video sehr entscheidend. Hier sind die Camcorder klar im Vorteil, da sie meist über ein Mikrofon verfügen, das besser aufzeichnet als das der Kameras. Daneben bieten Camcorder die Möglichkeit, den Ton manuell auszusteuern. Kamerafilmer können sich aber auch mit einem externen Mikro behelfen, sollte das eingebaute den Anforderungen nicht genügen.

Stativ
Da du dich ja selbst filmen möchtest, kannst du die Kamera auf dem Stativ ohnehin nicht währenddessen schwenken, ansonsten müsstest du auf einen gut gängigen Fluidkopf achten. So genügt aber ein normales Stativ mit hohen Schwenkwinkeln in alle Richtungen.
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3. VORBEREITUNG

Storyboard
—–//Es ist hilfreich, schon vor dem Filmen zu wissen, wie das Video-Tutorial aufgebaut werden soll. Mit welchen Einstellungen (Totale, Halbtotale, Großaufnahme, Detailaufnahme) sollen welche Schritte abgefilmt werden? Oft genügt es schon, die einzelnen Schritte stichpunktartig zu Papier zu bringen und die genauen Einstellungen im Vorfeld festzulegen. In der Fachsprache nennt man das: Storyboard.
TIPP: Möchtest du selbst im Video zu sehen sein? Dann stelle dich vor und sag „Hallo“ zu deinen Zuschauern. Stelle dein Projekt kurz vor und zeige schon mal das Endergebnis, damit der Zuschauer weiß, was im Tutorial passierten wird.

Ort
Wo man den Film dreht, hängt im Wesentlichen vom Projekt ab. Wenn du zeigen willst, wie man einen Fahrradschlauch flickt, wählst du sicherlich einen Platz unter freiem Himmel. Willst du ein Nähtutorial erstellen, baust du den Drehplatz drinnen auf. Führst du das Ganze auf dem Boden vor oder am Tisch? Versuche, den Platz nur wenn nötig zu wechseln, damit erleichterst du den Zuschauern die Orientierung.

Freunde
In vielen Fällen ist es einfacher, wenn du dir jemanden zur Hilfe holst. So könnt ihr zusammen etwas Großartiges schaffen. Außerdem kann ich dir versichern, ihr werdet viel zu lachen haben!

Material
Mach dir eine Liste mit allen Werkzeugen und Materialien, die du für dein DIY benötigst. Suche alles zusammen und lege es griffbereit in deine Nähe.

Licht
Die Beleuchtung ist bei einem Film „die halbe Miete“. Optimal sind Tageslicht oder indirektes, diffuses Licht, z. B. wie in einer Softbox.
In vielen Fällen genügt das Tageslicht. Achte aber darauf, dass du dich nicht vor dem Fenster positioniert (Gegenlicht) und die Sonne nicht direkt einstrahlt, denn das führt zu stark überbelichteten bzw. verschatteten Bereichen im Bild.
Auch die direkte Beleuchtung des Sets z. B. durch eine Schreibtischlampe ist ungünstig, da sie harte Schlagschatten erzeugt. Solltest du mehrere Lichtquellen verwenden wollen, achte darauf, dass Farbtemperaturen der Lichtquellen annähernd gleich sind (warmes/kaltes Licht).
Das Tageslicht hat je nach Tages-, Jahreszeit  und Wetter eine andere Farbtemperatur. Deswegen ist es wichtig, an der Kamera selbst einen Weißabgleich vorzunehmen, damit die Lichtstimmung bei jeder Aufnahme gleich ist. Der Weißabgleich stellt sicher, dass Weiß tatsächlich auch später im Film tatsächlich als Weiß wahrgenommen wird und nicht gelb oder blau.
Du kannst den Weißabgleich automatisch einstellen oder aber manuell. Im Kameramenü findest du verschiedene Einstellungen mit den Symbolen für Sonne, Wolken, Glühbirne usw.
link-tipp: http://www.kleine-fotoschule.de/das-richtige-licht.html

Kameraeinstellungen
Die Kamera ist wohl das wichtigste Werkzeug beim Drehen von Videos. Check zunächst, ob der Akku voll ist und deine Speicherkarte noch genügend Kapazitäten hat.
Die Kamera kommt natürlich auf ein Stativ. Du solltest sie so positionieren, dass der Zuschauer jeden Schritt genau mitverfolgen kann. Das macht das Arbeiten für dich oft schwierig, z. B. wenn die Kamera genau zwischen deine Hände zeigen muss.
Nutze ruhig die Manuell-Einstellungen deiner Kamera wie z. B. Weißabgleich, Schärfe, Belichtung usw. Probiere einfach ein bisschen rum, mach ein paar Testeinstellungen und zwar so lange, bis dir das Ergebnis zusagt.

Ton
Fest steht, das Wichtigste an einem Video ist der Ton. Deine Zuschauer verzeihen dir vieles, aber einen Ton, den man nicht versteht? Das wird nach zwei Sekunden mit einem Klick auf den Ausbutton quittiert.
Es gibt zwei Möglichkeiten, den Ton zum Bild aufzunehmen. Entweder du sprichst direkt mit, oder aber du filmst erst einmal das Projekt, schneidest den Film und legst dann die Tonspur darüber. Es ist oft schwer, zu filmen und gleichzeitig strukturiert zu sprechen. Oder die Nebengeräusche sind so laut, dass du nur schlecht verstanden wirst. Dann solltest du den Ton unbedingt nachschieben.

4. AUFNAHME!

Kameraperpektive
—–//Es gibt zwei Möglichkeiten, das Projekt abzufilmen. Entweder du filmst den kompletten Fertigungsprozess oder du nimmst nur die wichtigsten Schritte auf. In jedem Fall kannst du später beim Bearbeiten einen Zeitraffer einstellen, der über Phasen, in denen nicht viel Neues passiert, hinweg fliegt.
WICHTIG! Der Zuschauer muss immer einen optimalen Blick auf die Arbeit haben. Arbeite ruhig und langsam, damit alle dir folgen können.
TIPP: Nutze den ersten Schritt als Testlauf. Stimmt die Beleuchtung? Wie komme ich rüber? Ist die Bildqualität okay?
Beim Filmen selbst stehen dir verschiedene Gestaltungsmittel zur Verfügung. Meistens hat man ganz intuitiv ein Gespür dafür, welche Einstellungsgrößen und Perspektiven optimal sind. Hier noch mal ein paar sachliche Facts:
Als Kameraperspektive bezeichnet man den Betrachtungswinkel der Kamera auf das Objekt. Man unterscheidet zwischen Froschperspektive, Normalsicht oder Augenhöhe und Vogelperspektive, dazwischen gibt noch die Unter- und Aufsicht.
Bei DIY Videos wird oft aus der Vogelperspektive oder Obersicht (High-Angle-Shot) gefilmt, um dem Zuschauer eine gute Draufsicht zu gewähren. Die Froschperspektive solltest du wählen, wenn du zeigst, wie du deinen Auspuff reparierst. Und auf Augenhöhe solltest du gehen, wenn du direkt in die Kamera sprichst.

Einstellungsgröße
Die Einstellungsgröße bezieht sich auf den Bildgrößenausschnitt. Die gängigsten Einstellungen sind:
Totale: Überblick, Orientierung
Halbtotale: Szenerie, eingeschränktes Blickfeld
Amerikanische Einstellung: z.B. vom Knie aufwärts
Halbnahaufnahme: z.B. obere Körperhälfte
Nahaufnahme: z.B. Drittel der Körpergröße
Großaufnahme: z.B. Kopf bildfüllend
Detailaufnahme, z.B. Teile des Gesichts
link-tipps: http://www.youtube.com/yt/creators/de
vimeo.com/videoschool/101

5. FILMBEARBEITUNG

Schnitt
—–//Wenn du alles komplett abgefilmt hast, lade das Material in ein Schnittprogramm. Davon gibt es verschiedene; auf einem Macintosh ist z. B. „iMovie“ schon vorinstalliert. Auch als Anfänger kann man damit schon sehr gut arbeiten. Online findest du aber auch andere kostenlose Programme zum Download, die gut sind, z. B. der Youtube Editor oder Videnio. Die Hilfe-Videos erklären dir, wie du das Schnittprogramm bedienst. Über den Schnitt hinaus hast du viele Gestaltungsmöglichkeiten: von der Einblendung eines Titels, die Gestaltung von Übergängen bis hin zum Abspann. Wähle einen Titel für deinen Film und zähle noch einmal alle Materialien und Werkzeuge auf, damit der Zuschauer sie u. U. notieren kann. Keiner wird erwarten, dass alles an deinem Film perfekt ist. Du wirst sehen, von Film zu Film wird’s immer besser, das Licht wird perfekter und du wirst sicherer beim Schnitt. Schaue dir dein Video nach dem Schnitt immer noch einmal komplett an, bevor du es hochlädst. So stellst du sicher, dass alles so ist, wie du es dir vorgestellt hast.

Ton
Zeichnest du den Ton erst nach dem Schnitt auf, dann ist jetzt der richtige Zeitpunkt dafür. Mikro auf und los geht’s. Solltest du dein Video mit Musik hinterlegen wollen, ist es wichtig, dass du nur GEMA-freie Musik verwendest, sonst kann das Video später gesperrt werden. YouTube bietet in den Kreativ-Tools einige Musiktitel zum kostenlosen Download für Videos an. Auch auf Vimeo stehen dir einige Titel kostenlos zur Verfügung.
Achte immer auf die Lizenzen der einzelnen Lieder. Songs mit einer Creative Commons Lizenz kannst du verwenden, solltest aber in jedem Fall den Künstler und die Quelle angeben.
link-tipps: creativecommons.org
incompetech.com
http://www.joshwoodward.com
http://www.youtube.com/audiolibrary?feature=ctsbs
audiofarm.org
http://www.jamendo.com/de
http://www.freemusicarchive.org
de.audionetwork.com
soundcloud.com

6. AB INS NETZ!

Videoportale
—–//Du kannst dein Video auf dein Blog stellen und/oder es auf eine der vielen verschiedenen Plattformen hochladen. Dafür benötigst du ein eigenes Benutzerkonto, dessen Einrichtung in der Regel kostenlos ist. YouTube ist das größte und bekannteste Videoportal in Deutschland. Willst du möglichst viele Menschen erreichen, kannst du das vermutlich am besten hier. Über ein google+-Konto kannst du dich anmelden und deinen eigenen Kanal mit Banner einrichten. Auf diesem Kanal hast du die Möglichkeit, Videos hochzuladen, die du mit der ganzen Welt oder auch nur mit deinen Freunden teilen kannst. Außerdem bietet YouTube viele verschiedene Tools, mit denen man eigene Videos bearbeiten kann.
Vimeo ist die zweite bekannte Videoplattform. Hier kannst du dir kostenlos einen Basic Account anlegen, der dir wöchentlich 500MB Speicherplatz garantiert. Für eine Plus-, PRO- oder Business Mitgliedschaft wird zwar ein Betrag erhoben, dafür bekommst du aber auch einige Extras geboten. Vimeo finanziert sich nicht durch Werbung, das macht das Zuschauen sehr angenehm und die Seite optisch sehr ansprechend.
Vimeo stellt ebenfalls eine große Auswahl an Musiktiteln und Videofiltern zur Verfügung.
link-tipps: http://www.youtube.com
vimeo.com
http://www.dailymotion.com/de
http://www.myvideo.de

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