Ein Abend mit Arne und Carlos

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Der Wind pfeift um die Hamburger Deichtorhallen, drinnen im Café ist’s zum Glück kuschelig warm. Ein Weihnachtsbaum ist festlich geschmückt, na klar, mit den Julekuler von Arne und Carlos. Die beiden Norweger sind auch schon da, ein leckerer eisgekühlter Punsch wird gereicht und die Stühle und Bänke füllen sich. Wir sind gespannt, was sie uns mitgebracht haben!

Erstmal klären die beiden uns auf: dass sie auf Bildern und damit auch auf den Covern ihrer Bücher immer falschherum sitzen und Arne’s Name über Carlos steht und umgekehrt. Um dieses Missverständnis aus der Welt zu schaffen: Blaues Hemd = Carlos, kariertes Hemd = Arne. Carlos hat spanisch-schwedische Wurzeln, wurde aber in Brasilien geboren. Und spricht gefühlte sieben Sprachen (sagt Arne). Arne hingegen kann zwar nur Norwegisch und mittelprächtiges Englisch, dafür hat er aber von Kühemelken bis zum Gärtnern gut ein Dutzend Jobs durch. Hängengeblieben sind die beiden erst beim Modedesign, bis sie eher durch Zufall in Zeiten der Finanzkrise zum Strickbuchmachen gekommen sind. Und es sie in die norwegischen Berge verschlagen hat, wo sie ein ehemaliges Bahnhäuschen zu ihrem kreativen Refugium umgebaut haben.

Carlos wirft  die mitgebrachten Bilder von der Bahnstation im Ursprungszustand an die Wand. Typisch skandinavisch mit gelb lackiertem Holz verkleidet, an einem See gelegen, die stillgelegten Bahnschienen laufen hinter dem Haus entlang. Arne hat sich gleich in das Haus verliebt, sagt er, bei ihm hat es etwas gedauert. Was die beiden in sechzehn Jahren Arbeit draus gemacht haben, ist verblüffend: rund um das neu mit Kiefernholz verkleidetes Häuschen rankt ein Garten im englischen Cottage-Stil, mit jeder Menge Sitzgelegenheiten und versteckten Ecken, die zum Outdoor-Stricken einladen. Dass er so aussieht, wie er aussieht, das verdanken Arne und Carlos dem Zufall: weil sich der Bahnsteig nicht umgraben lassen wollte, legten sie einfach Beete mit großen Steinen als Umrandung an. Problem gelöst.

Und genau das ist es, was für die beiden Designen bedeutet: Probleme zu lösen. Perfektion ist ihnen ein Graus, sie lieben den Weg zwischen Plan und Umsetzung und all die Ab- und Umwege, die ihre Arbeit dabei nehmen kann. Der Zufall kreiert immer noch die besten Dinge. Wie zum Beispiel die kunterbunten Kuscheldecken aus Garn-Resten, die Arne mit Vorliebe strickt. „Bloß nicht über Farbkombinationen nachdenken, einfach ein Knäulen nehmen und los geht’s!“, ist sein Credo.

Stricken gelernt hat Arne schon mit fünf, sechs Jahren. Zuhause hatten sie keinen Fernseher, es wurde Radio gehört oder der Onkel erzählte Geschichten und alle haben gestrickt. Ihre glückliche Kindheit in Skandinavien, sagen die beiden, beeinflusst immer noch ihre Arbeit. Und die Schätze, die sie in Omas Stricktruhe auftun und die sie zu – neu interpretierten – Mustern und Ideen inspirieren. Carlos hingegen kann eigentlich nur die Julekuler richtig gut, verrät er uns später. Ihm fallen immer Maschen runter und dann gibt er sein Strickzeug frustriert an Arne weiter. Der darf’s dann wieder richten.

Auf dem nächsten Bild sehen wir eine Barbie mit modernem Norweger-Pulli und Pudelmütze. Denn am liebsten, verrät Carlos, stricken sie neue Ideen erstmal im Mini-Format. Und es kann auch vorkommen, dass sie in gestrickter Form das Weltgeschehen kommentieren – zum Beispiel mit Kim Kardashian als Strikkedukke, inklusive freigelegtem Popo. Oder Miley Cyrus als wollene Mäusedame, die auf einer Julekule schwingt (über die etwas missverständliche amerikanische Übersetzung als „Christmas Balls“ werden wir ebenfalls aufgeklärt).

Mittlerweile sind die beiden aber nicht nur mit dem Büchermachen und Dauerstricken beschäftigt, sondern entwerfen auch die Effekt-Sockenwolle Regia von Schachenmayr. Die Farben und Muster haben sie – wer hätte es gedacht – in den Gemälden von Edvard Munch gefunden. „Scream“ fanden die Hersteller dann aber doch einen Hauch zu verschreckend für den Namen eines farbenfrohen Garns…

Und so plaudern die beiden sympatischen Multitalente eine gute Stunde aus dem Nähkästchen – leider nur eine Stunde, wir hätten noch ewig zuhören können!

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2 Kommentare
  1. … Oh, das hört sich „hyggelig“ (Dänisch = gemütlich) an, war bestimmt sehr bereichernd, motivierend und eine schöne Einstimmung auf den Advent. Ich könnt mich „in den Hintern beißen“, dass ich die persönliche Einladung verpatzt habe, und nun mir vom Weihnachtsmann das Strick-Buch von Arne und Carlos “ Kultige Hausschuhe – Stricken und verfilzen“ wünschen werde.

  2. Genau so schön wie beschrieben, war es gestern Abend. Einfach nur zum genießen und sich wohlfühlen. Bleibt noch das leicht norwegisch angehauchte sehr leckere Essen. Danke an Schachenmayr für die Einladung. Ach der Geschichtenerzähler in Arne’s Kindheit war der Urgroßvater (Grand Grand father)
    LG Elke

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