Rot – königlich, kriegerisch, kommunistisch.

Die Farbe Rot ist die Königin aller Farben. Seit Urzeiten hat sie das Zepter fest in der Hand. Und wie keine andere neigt sie sich den Extremen zu. Sie steht für das Leben und den Tod. Sie fühlt die Liebe und stirbt im Kampf. Sie verheißt Glück und kommt nach dem Schmerz. Und nicht selten knien wir nieder vor ihrer Schönheit, die so alt ist wie die Welt. Geradezu betörend ist der Purpur.

Der antike Rotton kommt aus Phönizien, dem heutigen Libanon. Eine Schnecke gab ihm nicht nur seinen Namen: Ihr farbloses Sekret wurde extrahiert und in einer Salzlauge zehn Tage lang gekocht. Heraus kam eine gelblich-grüne Brühe, die als Stofffarbe diente. Wie beim Blaudruck wurden die Stoffe in diesen Sud getaucht. Um beim Trocknen sich zu entfalten – von einem schmutzigen Gelb über Grün bis hin zu einem tiefen Purpurrot. Das Licht gab diesem Ton seine Strahlkraft. Und, viel wichtiger, es nahm sie ihm nicht, nie wieder.

Purpurrot ist damit die Farbe der Ewigkeit! Vielleicht ist das auch der Grund, warum so viele Herrscher und Geistliche sich mit ihr umgeben, denn Rot symbolisiert Macht und Reichtum und Beständigkeit. (Ach übrigens: Für einen einzigen Krönungsmantel mussten drei Millionen Purpurschnecken ihr Leben lassen.) Das taten auch manchmal diejenigen, die sich unstandesgemäß an dem mächtigen Ton vergriffen. Bis zur Französischen Revolution, Ende des 18. Jahrhunderts, galt zumindest in Frankreich: Wer unterhalb des Adels Rot trug, wurde entweder hingerichtet oder – das Kleidungsstück wurde beschlagnahmt. Kein Wunder also, dass das Rottragen zum Politikum wurde.

Wie in den Bauernkriegen Ende des 16. Jahrhunderts in Mitteldeutschland. Als sichtbares Zeichen der Auflehnung gegen den Adel kleideten sich die Landleute in rote Mäntel. Rot wurde die Farbe der Arbeiter und Bauern. Gleichzeitig wuchs in den deutschen Städten eine reiche Kaufmannsschicht heran. Die Investmentbanker von damals wollten so sein wie der Adel, ließen sich aber von ihm nichts diktieren. Sie trugen ebenfalls Rot und Rot wurde zur Farbe des Bürgertums. Und auch die Gelehrten waren mit von der Rotpartie. Ende des 15. Jahrhunderts erlaubte eine Freiburger Kleiderordnung auch ihnen, Rot zu tragen. Bis Mitte des 18. Jahrhunderts heirateten die Nürnberger Patrizierinnen in Rot und die Männer trugen zur Vermählung rote Hosen. In Frankreich dagegen hielt man sich bis ins 18. Jahrhundert hinein streng an die Regel: Das Tragen der Farbe Rot war ausschließlich dem Adel vorbehalten.

Ganz sachlich gehört Rot wie Blau und Gelb zu den Primär bzw. Elementarfarben. Im Farbkreis der CYMK-Werte steht Rot ganz oben. Nur Menschenaffen können neben den Menschen Farben unterscheiden und »rotsehen«.

PDF-Download des Artikels aus dem Handmade Kultur Magazin, Ausgabe 02/2012.

Illustration: Rita Luizink http://www.rita-luizink.de

 

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