Hey Baby! Bist du die Weihnachtszeit?

Unsere Kolumnistin Thordis Rüggeberg findet, Weihnachten ist, wenn Weihnachten ist. Ganz einfach, oder?

Weihnachten. Das ist das Fest, das immer so plötzlich kommt, obwohl vier Monate lang penetrant darauf hingewiesen wird. Vier Monate! Das ist ein Drittel des gesamten Jahres! Anfang September tauchen Spekulatius und Dominosteine in den Supermärkten auf. Wenn sich der Schock und die Empörung darüber gelegt haben („das wird auch jedes Jahr früher“ – nein, wird es nicht, es ist immer Anfang September), also etwa eine Woche später, ziehen Schoko-Nikoläuse und  Adventskalender nach, und während ich noch in Flipflops zum Einkaufen gehe, werden die Gänge vollgeräumt mit glitzernden Sonderaufstellern.

Trotzig ignoriere ich das ganze rotgoldene Gefunkel und packe Eiscreme, Aperol und Limetten in den Einkaufswagen. Es ist keinesfalls so, als hätte ich etwas gegen Weihnachten. Aber ich bin noch nicht soweit. Hallihallo, es ist Spätsommer! Und mit dem Aufruf zur Entschleunigung und zum „Leben im Moment“ verträgt sich das für mich auch nicht.

Dann werden die Uhren auf Winterzeit umgestellt, jetzt geht alles ganz schnell. Schlagartig ist es bereits nachmittags dunkel, die Herbststürme ziehen auf und wirbeln gelbe Blätter durch die Luft. Was könnte dann schöner sein, als bei einem würzigen Tee von meinem liebsten Wintergemüse zu naschen, der Marzipankartoffel? Nun passt alles zusammen: Das Wetter, die Lichterketten, der Duft von Glühwein und gebrannten Mandeln. Zuhause sitzen, basteln, backen, Karten schreiben und Geschenke verpacken. Schimmernde Deko im Kerzenschein. (Nur bei Michael Bublé, da bin ich draußen.)

Als Schülerin waren die Weihnachtsferien für mich die schönsten Ferien überhaupt, weil die Stimmung eine so spezielle war. Ich erinnere mich noch gut daran, wie ich nach dem letzten Schultag nach Hause kam, den Hitparaden-Rückblick des Jahres im Radio verfolgte und das Gefühl hatte: etwas ist geschafft, bald beginnt etwas Neues.

Für mich persönlich ist es nicht die Geschichte von der Geburt Jesu Christi, die dieses Fest zu etwas besonderem macht, es ist der Zeitpunkt. Das Jahr neigt sich dem Ende zu, die Tage werden ab dem 21. Dezember wieder länger (und schon bald wird man es merken) – eine gute Gelegenheit, die letzten Monate Revue passieren zu lassen, sich bei denen zu bedanken, die für uns da waren, und an die zu denken, die wir ein bisschen vernachlässigt haben. Ohne dieses Datum würden wir das bis in alle Ewigkeit vor uns herschieben.

Zuweilen packen wir uns arg viel auf die Liste und haben hohe Ansprüche – es ist an jedem selbst, das zu ändern. Vielleicht muss es gar nicht das Vier-Gänge-Menü sein, das uns schon bei den Einkäufen dafür in Schweiß ausbrechen lässt. Möglicherweise ist das Familien-Lieblingsessen viel entspannter, lustiger und gemütlicher. Denn darum geht es doch: um das Zusammensein. Immerhin haben wir seit September, vier lange Monate, Anlauf genommen – jetzt dürfen wir uns erschöpft aufs Sofa plumpsen lassen.

Denjenigen, die trotz des reichlichen Vorlaufs alles auf den letzten Drücker organisieren, sei tröstend gesagt: das ist gar nicht dumm, denn schon Anfang Dezember werden viele Weihnachtsartikel stark reduziert. Man braucht schließlich Platz für die Osterdeko.

TEXT & FOTO: Thordis Rüggeberg

 

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