Was hat die imm cologne mit der Bahn und Brad Pitt zu tun?

kleinerMann

Köln, 21.01.2015 HANDMADE Kultur besucht die Möbelmesse imm cologne 2015

Kennt ihr das? Ihr sitzt im Kino, schaut den neuesten comedyialen Blockbuster, alle lachen sich schlapp, nur ihr steht auf dem Schlauch und rafft nicht, was daran so witzig sein soll? So ähnlich ging es uns gestern auf der imm in Köln. Die Möbelfabrikanten und Designer feierten und wir wussten nicht, was …

Doch von vorn: Zunächst stand erst einmal 5 Uhr aufstehen auf dem Programm. Das macht nicht gerade gute Laune. Dieses Gefühl wird verstärkt, wenn man kurze Zeit später auf dem zugigen Gleis steht. Der Zug wartet schon, doch die Türen öffnen sich nicht. Das Zugpersonal zuckt ratlos mit den Schultern und lässt sich einzig zu dem aussagekräftigen Satz hinreißen: „Wenn schon die Türen nicht aufgehen … kann dauern, nehmen Sie lieber einen anderen Zug.“

Okay. Andere Züge mit dem gleichen Ziel zur gleichen Zeit gibt es ja wie Sand an Meer. Also umgestiegen, und noch mal umgestiegen und … noch mal umgestiegen. Irgendwann: KÖLN!

Kurz im Pressezentrum alles verstaut, Katalog geschnappt und die Lage gecheckt. Welche Hallen interessieren uns? Klar, „Pure Talents“ muss sein. „Wohnphilosophien“ (ich hätte beinahe …phobien geschrieben) auch. Das Wort „Trends“ kam irgendwie gar nicht vor. Dafür „Innovationen“, sehr häufig sogar. Deswegen sind wir ja hier!

Irgendwie wollte die Müdigkeit nicht verfliegen. Kaffee, noch ’nen Kaffee. Upps. Wo sind denn unsere 100 Euro hin? Sagenhaft, wie teuer das ist. Wer denkt sich diese Preise aus? Also, Leute, solltet ihr euch mal auf irgendeine Messe verirren, packt den Picknickkorb ein. Unbedingt!

Ich weiß jetzt nicht mehr, welche Halle wir zuerst durchschritten haben. Acht? Ist aber eigentlich auch egal. Ihr kommt nur in gewisser Weise ein Sonderstatus zu, weil sie in Nullkommanichts ernüchtert hat.  Uns wurde schnell klar: kein innovatives Design, keine herausragenden Wohnphilosophien, keine Farbe, kein Material, nichts spielte sich in den Vordergrund! Jeder Stand für sich ganz ansehnlich, aber als großes Ganzes? Ein Turm zu Babel. Alle designen durcheinander. Chaos. Rein geschmacklich. Irgendwie beliebig, und was das Allerschlimmste war: alles schon mal irgendwo gesehen. (Also, wenn man Blogleserin und Abonnentin einschlägiger Wohn- und Interieurzeitschriften ist.)

Ein Messeführer hatte eine Traube Presseleute um sich gescharrt und sagte so Sachen wie „Kupfer ist auf dieser Messe überall vertreten.“ Hallo? Kupfer? Das war doch schon vor drei Jahre in, jedenfalls auf Pinterest & all den Blogs, die wir so schreiben. Jetzt hat es die Möbelbranche für sich entdeckt? Chapeau!

Dann endlich unser erstes Highlight! Das Tapeteninstitut präsentiert sich mit einer tollen Installation: Der Klang der Tapete. Auf der Fläche waren riesige begehbare Tonnen aufgestellt. Allesamt von innen tapeziert. Mit Motiven, die durch passende Klänge ergänzt wurden.

Was meint ihr? Was höre ich gerade?
DoerteTartan

Oder Birgit?
BirgitGenau. Dudelsack und Dschungellife! Es gab noch Vogelgezwitscher und Wiese. Nein, Wiese nicht. Fänden wir aber gut! Wir hätten uns wahrscheinlich gleich hingelegt und losgeträumt :)! Liebe Tapetenhersteller, hat ihr Institut Sie da nicht auf eine Idee gebracht? Im Zeitalter der Mikrochips ließe sich so etwas doch sicherlich auch für den Hausgebrauch mit App und Fernbedienung umsetzen, oder?

Ein paar Meter weiter machen wir die Entdeckung des Tages. Eigentlich ein ganz unscheinbar wirkender Stand, auch gar nicht groß. Aber diese Lampe weckt unsere Aufmerksamkeit:
LampeKenneth

Der textile Lampenballon wirkt irgendwie organisch, als würde das Material, aus dem er gemacht ist, leben oder zumindest gelebt haben. Große welke Blütentrompeten! Ein absoluter Hingucker, sehr interessant. Natürlich ließ die Auflösung nicht lange warten. Das Objekt gehört zur Kollektion von Kenneth Cobonpue, der auch noch solche Sachen macht:
KennethCobonpue

Und solche:
DoerteRoterSessel
Sehr bequem! Alle Produkte von Kenneth Cobonpue werden auf der Insel Cebu von einheimischen Produzenten in Handarbeit gefertigt – und zwar absolut fair und zu angemessenen Löhnen. Übrigens: Brad Pitt steht auch auf den Kenneth Cobonpue Style. Klar, dass Brad und wir den gleichen Geschmack haben. Wir finden ja auch Angelina toll!

Sehr gespannt waren wir auf die Halle, in der sich die Hochschulen für Architketur präsentieren, also die jungen Talente. Entschuldigt die Qualität der Fotos, aber die Jungen werden immer in die dunkelsten Hallen gesteckt. Für meine Knipse sehr schwierige Bedinungen. Aber fangen wir mal an:

Karre

Das Thema waren Stühle bzw. Sitzgelegenheiten. Die Schubkarre kennen wir doch? Oder das hier … aus Zeltplane?
Zeltplanehocker

Aus Transportkisten:
Sessel

Gestrickt:
Strickwürfel

Eingehängt:
Schwingbank

Erkennt ihr das? Die Rückenlehne ist in zwei Böcke eingehängt. Rückenlehne und Sitzfläche sind mittels Scharnieren miteinander verbunden. Die Sitzfläche wurde einfach mit einem Seilring an die Böcke gehängt. Man durfte sich leider nicht reinsetzen. Sonst hätte ich gleich mal den Schwingtest gemacht.

Der Rest ist schnell zusammengefasst: Pflanzen gehen wieder, entweder als Baum oder von der Decke kommend, z. B. in Blumenampeln, die große Glaskugeln halten. Wer Macramee kann, ist also klar im Vorteil!
Pflanzenampeln
Pflanzen1

Ansonsten schwer im Kommen: Schreibpulte bzw. kleine Sekretäre. Ob für Kinder oder Große, aus Nußbaum oder Multiplex, an die Wand gelehnt oder auf vier Beinen, mit Klappe, die alles versteckt oder offen:
Sekretär1

Sekretaer2

Fazit? Offenbart sich irgendwie schon im Einstieg, oder? Um dem Artikel aber doch noch einen Rahmen zu geben: Die Rückfahrt mit der Bahn war noch abenteuerlicher als Türen, die nicht aufgehen. O-Ton Zugpersonal: „Der Lokführer versucht jetzt ein letztes Mal, die Bremsen zu lösen. Wenn das nicht gelingt, werden Sie evakuiert.“

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Ein Kommentar
  1. Endlich ein ehrliche Meinung!!! Eigentlich wollte ich heute dahin…

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