Hausgemachte Stoffbeschwerer als Nähhelferlein & ein kleiner Nähtrick

  • 06.10.2015 von Beccy Sew
  • Kategorie:
  • Fähigkeiten: Mäßig
  • Kosten:
  • Dauer: etwa 3 Stunden
  • Stichwörter:


Ohne diese beiden Nähhelferlein wäre ich bei größeren Schnitten aufgeschmissen: Meine Stoffbeschwerer. Damit beim zuschneiden nichts verrutscht habe ich bisher immer einfach ein oder zwei 400g-irgendwas-Konservendosen auf den Stoff gestellt – sieht natürlich nicht sonderlich hübsch aus… Darum habe ich „Kleidchen“ für die Dosen genäht und schon sind sie richtig fesch!

Ihr braucht dazu nur mindestens eine Konservendose mit welchem Inhalt auch immer. Ich habe zwei 400-Gramm-Dosen genommen, weil das Gewicht für mich völlig ausreichte und die Standfläche kleiner ist, als bei den größeren Dosen. Das ist natürlich an eure Wünsche und Vorlieben anpassbar! Die Anleitung ist ebenfalls flexibel, da ihr euch ohnehin die Maße selbst ausmesst.

Da das Nähen von runden Sachen immer etwas schwierig ist (bzw. eher das Abstecken) zeige ich euch auch einen kleinen Trick dazu.

Kleiner Tipp: Lest euch erst die ganze Anleitung einmal durch, ehe ihr euch ins Zeug legt.

Ich hoffe, alles ist verständlich genug – es ist gar nicht so einfach, das was man tut ordentlich niederzuschreiben. Wenn ihr nach meiner Anleitung ein Dosen-Kleidchen genäht habt und euch fällt etwas auf, dann zögert nicht zu fragen / euch zu melden! Ihr könnt mir einfach hier einen Kommentar hinterlassen, oder auf meinem Blog den Beitrag kommentieren, oder mir auch eine E-Mail schreiben, oder bei Facebook vorbeischauen, oder… wie ihr wollt. Verbesserungsvorschläge werden gerne entgegen genommen! ;)



Dieses Material benötigst du:
  • (Web-)Band/Kordel,
  • Konservendosen,
  • Stoff (nicht dehnbar)

Diese Werkzeuge brauchst du:
  • evtl. Papier,
  • Maßband,
  • Schere oder Rollschneider,
  • Stift
So macht man das:

1Maße nehmen & Schnitteile vorbereiten

Natürlich braucht ihr Maße für euer Dosen-Kleidchen:

1. Kreis der Bodenfläche: Das könnt ihr in zwei Varianten machen. Entweder, ihr malt den Umriss der Dose auf ein Stück Papier und schneidet ihn aus, so dass ihr ein Schnittmuster habt (ohne Nahtzugabe!); oder ihr malt den Kreis direkt auf die linke Stoffseite. Da mein Stoff hier sehr dunkel ist, habe ich es so gemacht – und zwar ganz dreist mit einem Kugelschreiber (weil es damit einfach ist und man es bei dunklen Stoffen eh nicht durchsieht).

2. Umfang der Dose: Ich habe mich hier bei gemessenen 23,2 cm für 24 cm entschieden, um ein klein wenig „Luft“ zu haben. Hier könnt ihr auch etwas mehr hinzunehmen, falls ihr euch nicht zutraut, sehr passgenau den Bodenkreis später annähen zu können – geht dann lieber auf Nummer sicher. Noch dazu rechnet ihr 2 cm Nahtzugabe, also 1 cm pro Seite. Bei mir sind das dann 24 cm (Dosenumfang) + 2 cm (NZ) = 26 cm in der Breite.

3. Höhe der Dose: Meine misst 11 cm. Zusätzlich nehmt ihr auch wieder 2 cm Nahtzugabe und noch etwas für den Zipfel oben; ich habe mich hier für 10 cm entschieden und bin damit auch im Nachhinein glücklich. Allerdings habe ich für einen sauberen Saumabschluss nochmal 2 cm addiert. Bei mir sind es also 11 cm (Dosenhöhe) + 2 cm (NZ1) + 10 cm (Zipfel) + 2 cm (NZ2) = 25 cm in der Höhe.

Ihr macht euch dann zwei Schnitteile zurecht: Einmal den Bodenkreis (über das Papiermuster oder direkt auf den Stoff gezeichnet) und ein Rechteck mit euren ausgemessenen und zusammengerechneten Maßen. Wenn euer Stoff eine Richtung hat, dann achtet darauf, wo ihr die Höhe und wo die Breite abtragt.

ACHTUNG: Beim Rechteck habt ihr die Nahtzugaben schon mit eingerechnet, könnt hier also auf den Linien zuschneiden. Der Bodenkreis hat keine Nahtzugabe inbegriffen, lasst hier also die Nahtzugabe Pi mal Auge auch auf 1 cm stehen. Es ist nicht wichtig, dass es sehr genau ist – dazu zeige ich euch gleich meinen Bügeltrick. ;)

2Saum umbügeln & der Bügeltrick

Die Oberseite des Rechteckes – also die Seite, die NICHT an den Bodenkreis genäht wird – bügelt ihr jetzt zweimal jeweils 1 cm weit um. Das wird der Umschlagsaum am Zipfel des Dosen-Kleidchens

Der Bügeltrick:
Bei dem rechteckigen Stück bügelt ihr die eingerechnete Nahtzugabe von 1 cm an der Seite um, die an de Kreis genäht werden soll. Beim runden Stück bügelt ihr so, dass ihr den auf den Stoff aufgezeichneten Kreis als Bügelkante erzeugt. Das sollte dann so (oder so ähnlich) aussehen, wie auf dem mittleren Bild. Nehmt hierzu nur die Spitze des Bügeleisens und arbeitet euch Stückchen für Stückchen um den Kreis (und passt auf eure Finger auf).

Was der Trick bringt, zeigt sich beim Abstecken: Ihr habt jetzt zwei schöne Bügel-Knicke im Stoff, die ihr aufeinander legen und mit gefühlten zehntausend Nadeln zusammenstecken könnt (ich benutze hier immer furchtbar viele, damit es so genau wie möglich wird). Ich hoffe, die Erklärung ist einigermaßen verständlich und das untere Bild verrät euch, was ich eigentlich meine…

3Schnitteile zusammennähen

Näht jetzt vorsichtig und, wenn ihr so schrecklich im Rundungen nähen seid wie ich, so langsam wie möglich auf dem aufgezeichneten Kreis entlang (wenn ihr die Geschwindigkeit an eurer Maschine einstellen könnt, ist das Schneckentempo eine große Erleichterung ;) ).
Fangt hierbei etwa 1,5 cm vom Rand des rechteckigen Stoffes entfernt an!
Ich habe das mit dem ganz normalen Füßchen gemacht und immer nach maximal 2-3 Stichen den Fuß angehoben (mit der Nadel im Stoff) und das Werkstück gedreht, so dass die Rundung auch so rund wie möglich werden konnte.

Achtet dabei darauf, dass die Nahtzugabe des rechteckigen Stück Stoffs, die sich wegen der Rundung kräuseln will, immer schön gerade liegt.

Achtet außerdem darauf, den rechteckigen Stoff nicht komplett an den Kreis zu nähen, dann könnt ihr die Seitennaht nicht mehr schließen. Hört auch hier etwa 1,5 cm vor dem Stoffende auf. Es entsteht so eine noch nicht verschlossene Öffnung in der Kreisnaht.

4Seitennaht schließen

Jetzt merkt ihr, wozu diese Öffnung gut ist: Die Seiten des rechteckigen Stoffs werden zusammengenäht. Am besten steckt ihr die Naht mit ein paar Nadeln ab. Achtet auch hier wieder darauf, dass ihr dort, wo Rechteck (bzw. jetzt ja schon eher Schlauch) und Bodenkreis aufeinander treffen, 1 cm offen lasst. Ich habe mir dazu eine Nadel gesteckt, die das Ende meiner Naht markierte.

5Öffnung schließen

Wenn ihr das geschafft habt, dann könnt ihr die offene Stelle an der Rundung verschließen, indem ihr wieder auf dem Kreis näht und die Naht hier schließt. Damit es leichter ist, habe ich hier auch wieder mit einer Nadel festgesteckt. Wenn es sich hier ein bisschen knubbelt ist das nicht sehr schlimm; von außen ist das nachher gar nicht so wild. Zieht den Schlauch unter der Stelle ein wenig glatt, damit ihr nicht zu viele Falten produziert.

6Saumabschluss am Zipfel

Damit alles hübsch aussieht muss nun noch der obere Saum umgenäht werden. Drückt die Nahtzugabe der Seitennaht ein bisschen auseinander, so dass sie schön zu beiden Seiten liegt, damit es an der Stelle nicht so dick wird. Faltet dann an den Bügelkanten den Saum ein.
Da ihr jetzt im Schlauch nähen müsst, steckt euch (wenn ihr wollt) am besten auch hier ein paar Nadeln.

Jetzt wendet ihr euer Werk am besten und steppt knappkantig ab. Fest ist es schon, wenn ihr die untere Naht gemacht habt, aber schöner sind zwei Stück, also noch eine weitere Steppnaht an der oberen Kante entlang (ist natürlich auch Geschmackssache). Achtet hier darauf, dass ihr die Nahtzugabe der Seitennaht schön auseinandergelegt haltet, wenn ihr über sie hinweg näht. Deshalb wurde auch schon gewendet, damit ihr diese Stelle gut im Blick habt beim darübernähen.

7Fertig!

Jetzt braucht ihr nur noch die Dose hineinstecken und könnt das Säckchen mit einem Stück Band oder einer Kordel oben zubinden und beim nächsten zuschneiden habt ihr dann nicht Dosentomaten oder Bohnen auf dem Stoff stehen, sondern schöne, selbst gemachte Säckchen! Sieht doch gleich viel besser aus. ;)





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