Du bist schön!


Spieglein, Spiegeln – du bist der Schönste an meiner Wand.

Es heißt, man kann anziehen, was man will – solange man edle Schuhe dazu trägt. Für den Herrn mag das zutreffen. Der Dame schlage ich eine Alter- native vor: Gehen Sie ruhig in Jogginghose und Flip-Flops auf die Straße – ein perfekt geschminkter Mund lässt Sie wie ein Model erscheinen, das auf dem Catwalk wandelt.

Wie kommt das?
Meine Großmutter behalf sich seinerzeit mit dem Saft der Roten Bete; das Ergebnis ließ allerdings zu wünschen übrig. Rot gefärbte Münder fand man jedoch schon viel früher – um 3.500 v. Chr. – attraktiv. Bei Ausgrabungen sumerischer Städte entdeckten Forscher gefärbte Lippen- salben, die aber nicht nur von Frauen benutzt wurden. Auch Männer, vor allem Krieger, bemalten sich die Münder. Der Lippenbalsam verlieh seinen Trägern Selbstbewusstsein und Stärke und machte sie damit interessant und anziehend.

Heute gehen angeblich weltweit pro Sekunde 23 Lippenstifte über die Ladentheken. Damit ist die Mischung aus Lanolin, Bienenwachs, Rizinusöl und Farbpigmenten das meistverkaufte Kosmetikprodukt überhaupt – ein handlicher Zauberstab, der ein Mauerblümchen in Sekun- denschnelle in einen Vamp verwandelt. Doch wer hat ihn eigentlich erfunden?

Auf der Amsterdamer Weltausstellung 1883 präsentierte ein Parfümhersteller aus Paris eine in Seidenpapier gewickelte Rolle aus verschiedenen gefärbten Fetten. (Übrigens: Die Schildlaus, von der Sie vielleicht schon gehört haben, gibt schon seit Ewigkeiten ihren Cochenille-Farbstoff für Ihr gutes Aussehen her.) Doch das Ding war ein Flop. Es war nicht nur teuer, sondern auch unkomfortabel in der Anwendung, dazu schmolz es in der Handtasche. »Würstchen«, so der spöttische Name dafür. Knapp dreißig Jahre später, 1912, stellte das Haus Guerlain eine sehr viel handlichere Metallhülse mit Schiebemechanismus vor. Das plumpe »Würstchen« verwandelte sich in den »stylo d’amour«. Der unaufhaltsame Siegeszug begann.

Doch ungeachtet seiner bewegten Geschichte gilt für den Lippenstift vor allem eins: Um seine volle Wirkung zu entfalten, muss er makellos aufgetragen sein. Da ist es praktisch, einen kleinen Spiegel an der Wand zu haben, in den man vor dem Ausgehen noch mal schnell einen Blick werfen kann. Und sollten Sie ungeschminkt das Haus verlassen, schauen Sie einfach darauf, um sich an der bunten Stickerei auf Ihrem alten Dämpfeinsatz zu erfreuen. Den haben Sie zum Kochen doch ohnehin nie benutzt.

Idee und Fotos: Thordis Rüggeberg



Dieses Material benötigst du:
  • 10–15cm große verspiegelte Glasuntersetzer oder Kerzenteller (z.B. Dekoladen oder Internet),
  • Dämpfeinsatz aus Metall (z.B. aus dem Asialaden),
  • Sprühlack (z.B. im Künstlerbedarf),
  • Wollreste oder Stickgarn

Diese Werkzeuge brauchst du:
  • Flüssigkleber,
  • stumpfe Sticknadel
So macht man das:

1Farbe

Dämpfeinsatz in einem gut belüfteten Raum oder draußen in dünnen Schichten lackieren. Gut trocknen lassen.

2Sticken

Jetzt mit Motiven besticken oder freestyle – wie es euch gefällt. An der Rückseite einen Aufhänger anknoten.

3Spiegel

Zum Schluss wird die Spiegelfliese mit Flüssigkleber mittig in den Einsatz geklebt. Sollte der Untergrund uneben sein, vorher mit fester Pappe ausgleichen.





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