Kräuter- & Gewürzöle selbermachen: Alles Wissenswerte zur Herstellung und Lagerung

Kräuter- & Gewürzöle selbermachen: Alles Wissenswerte zur Herstellung und Lagerung


Chili, Knoblauch oder Vanille, Lavendel oder Minze, scharf, würzig oder fruchtig – es gibt eine Vielzahl an duftenden Kräutern und Gewürzen, die sich hervorragend dazu eignen, Speiseöle zu verfeinern oder ätherische Öle herzustellen. Über das Verfeinern von Gerichten hinaus bieten die selbstgemachten Gewürz- und Kräuteröle zudem die Möglichkeit, die Ernte aus dem eigenen Garten länger haltbar zu machen. (Foto: Mareefe von pexels.com)


So macht man das:

1Die Herstellung: Extraktion, Destillation oder Aromatisierung

Die meisten Selbermacher werden wohl zur Aromatisierung von Kräuter- oder Gewürzölen greifen – also ein mehr oder weniger neutrales Speiseöl mit verschiedenen duftenden Zutaten verfeinern. Dafür muss man diese einfach darin einlegen. Komplizierter wird es mit dem Destillieren und Extrahieren von Ölen. Auf diese Weise kann man zwar seine eigenen ätherischen Öle herstellen, aber verglichen mit dem Aromatisieren sind beide Methoden recht aufwendig und meistens auch kostspielig.

DESTILLATION: Die Wasserdampfdestillation ist für ätherische Öle die üblichste Herstellungsweise. Dafür benötigt man eine Destille. Auch kleine Geräte können dabei mehrere Hundert Euro kosten und sind rechtlich nicht ganz unproblematisch. Zwar darf man als Privatperson Destilliergeräte erwerben, die nicht zum Brennen von Alkohol gedacht sind, falls diese jedoch eine Blasengröße von 2L übersteigen, wird eine Anmeldung beim Zollamt nötig. Hat man sich aber rechtlich unbedenklich das nötige Equipment angeschafft, kann man damit nicht nur Öle aus Lavendel, Salbei, Minze und vielen anderen Pflanzen herstellen, sondern als Nebenprodukt auch Hydrolate (auch aromatische Wässer genannt). Die Flüssigkeit, in der nach dem Destillieren reichlich pflanzliche Wirkstoffe zurückbleiben, kann man dann zum Beispiel als Gesichtswasser oder zur Weiterverarbeitung für DIY Kosmetik verwenden.

EXTRAKTION: Bei der Extraktion werden die ätherischen Öle durch die Zugabe eines Lösungsmittels aus der Pflanze gelöst, zum Beispiel mit Alkohol oder in der Industrie eher mit technischem n-Hexan. Sobald dieses dann verdampft ist, bleiben sogenannte Absolues, hochwertige Duftstoffe zurück. So wird unter anderem Jasminöl gewonnen.

2Öl aromatisieren: So geht‘s

Für die Herstellung von Kräuter- und Gewürzölen müssen zuerst die Behälter, Schraubgläser oder Ölflaschen, gründlich gesäubert werden, bevor das Öl sowie die gartenfrischen Zutaten zum Einsatz kommen. Besonders beliebt sind dabei Thymian, Oregano, Basilikum, Salbei, Lorbeer, Minze und Rosmarin. Frische Kräuter sollten im Vorfeld gut abgewaschen und danach mit einem Tuch trocken getupft werden, damit weder Schmutz noch Feuchtigkeit in das Öl gelangen. Anderenfalls kann das Öl schnell verderben und sogar schädlich für die Gesundheit werden.

Bei der Auswahl der passenden Gewürze gibt es kaum Einschränkungen: Soll es eher klassisch sein (z. B. Knoblauch, Peperoni, Chili oder Pfefferkörner), erfrischend-fruchtig (Melisse, Zitronen- oder Limettenschale) oder vielleicht sogar außergewöhnlich (Kaffeebohnen, getrocknete Pilze, Zimt oder Fenchel)? Wer Kräuter mit einem hohen Wassergehalt verwenden möchte, wie beispielsweise Basilikum, kann die Blätter etwas antrocknen lassen.

Idealerweise nimmt man als Basis Pflanzenöle mit minimalem Eigengeschmack. Bei besonders intensiven Zutaten wie Thymian, Salbei oder Rosmarin können jedoch auch kräftigere Öle wie Oliven- oder Walnussöl verwendet werden. Da Gewürz- und Kräuteröle beim Kochen nicht oder nur kurz erhitzt werden, eignen sich kaltgepresste Speiseöle in der Regel am besten. Die folgenden Sorten sind besonders empfehlenswert:

- Olivenöl
- Rapsöl
- Distelöl
- Sojaöl
- Traubenkernöl
- Hanföl

SCHRITT 1: Das Behältnis, in dem das Öl aufbewahrt werden soll, muss gründlich mit heißem Wasser und Spülmittel ausgewaschen und getrocknet werden. Bei lichtempfindlichen Ölen sollte man ein Behältnis aus Braunglas verwenden. Das schützt vor UV-Strahlen.

SCHRITT 2: Während viele Kräuter frisch verwendet werden können, sollten Gewürze trocken sein. In beiden Fällen sollte man jedoch drauf achten, dass sich kein Schmutz oder sonstige Verunreinigungen auf den Zutaten befinden. Frische Chilischoten kann man kurz anbraten, damit keine Schimmelsporen ins Öl gelangen.

SCHRITT 3: Sobald alles vorbereitet ist, kann man die Kräuter oder Gewürze nach Geschmack hinzugeben und anschließend das Öl vorsichtig einfüllen. Danach wird das Behältnis luftdicht verschlossen. Dafür eignet sich ein Schraubglas oder eine Bügelflasche.

SCHRITT 4: Das fertige Gewürz- oder Kräuteröl muss nun mindestens zwei, besser noch drei bis vier Wochen kühl und dunkel gelagert werden, damit die Zutaten ihre Aromen an das Öl abgeben können. Zur Lagerung eignet sich am besten ein Kellerraum, es kann aber auch im Kühlschrank aufbewahrt werden.

3Wie lange ist selbstgemachtes Gewürz- und Kräuteröl haltbar?

Sofern das Öl unter hygienischen Bedingungen abgefüllt und durchgehend kühl und dunkel gelagert wird, kann es ohne Probleme mehrere Monate verwendet werden. Je nach Ölsorte und verwendeten Zutaten kann man das Öl auch nach ein bis zwei Jahren noch zum Verfeinern von Speisen benutzen, solange es nach dem Gebrauch immer wieder gut verschlossen und im Kühlschrank aufbewahrt wird. Falls jedoch ein Plopp-Geräusch beim Öffnen der Flasche zu hören ist oder Bläschen aufsteigen, sollte man das Öl besser nicht mehr verwenden. Aufgrund von Toxinbildung kann es dann sogar gesundheitsschädlich sein.

Um zu verhindern, dass das Öl oxidiert und sich der Geschmack spürbar verändert, kann man nach und nach frisches Speiseöl auffüllen. Die Kräuter und Gewürze sollten dabei komplett mit Öl bedeckt sein.



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