Polaroid Emulsion Lift

Polaroid Emulsion Lift

Die Vorzüge der Digitalfotografie in allen Ehren – aber das ‚haptische Element’ geht bei dieser Sache schon ein bisschen verloren. Kein Filmeinlegen mehr, kein Überlegen, ob dieses oder jenes Motiv es auch wirklich wert ist, dafür ein Foto zu opfern – und sogar das ‚Auslöse-Geräusch’ ist bei einigen Digitalkameras nur imitiert. Ein Vorteil der Digitalfotografie ist natürlich die Tatsache, dass die Bilder gleich betrachtet werden können. Doch das gab es auch vor der Digitalfotografie, nämlich durch Sofortbildkameras von Polaroid u.a.
Leider wurde die Produktion der Polaroid-Filme 2008 eingestellt. Ein guter Grund, die Polaroid Kamera für immer einzumotten? Mitnichten! Seit 2008 widmen sich einige ‚Unverbesserliche’ (wenn das mit den Handmade Kultur-Richtlinen vereinbar ist, kann ich hier nachträglich auch den Namen der Firma posten – nicht, dass ich hier noch der Schleichwerbung bezichtigt werde… ;-) ) wieder der Herstellung des Polaroid Films in einer Fabrik in Enschede (NL). Es kann also wieder ‚unplugged’ fotografiert werden – ohne richtiges Zoom, ohne Möglichkeit, die Belichtungszeit zu ändern, ohne… – dafür mit [bzzzzzz], wenn die Kamera das Foto ausspuckt. Hurra.
Aber bei aller Euphorie: Wer Polaroidphotos kennt, weiß auch, dass die abgebildeten Personen nach einigen Jahren aussehen, als hätten sie eine ziemlich heftige Gelbsucht ausgefasst. Polaroids sind (meines Wissens) nicht unbegrenzt haltbar – es sei denn: Ihr probiert den sogenannten ‚Polaroid Emulsion Lift’ – Hier die Anleitung – voilà!



Dieses Material benötigst du:
  • Polaroid Foto,
  • Trägermaterial (Aquarellpapier oder Spezialpapier für Emulsion-Lift)

Diese Werkzeuge brauchst du:
  • 1 oder 2 Plastikbehälter (eventuell auch einen flachen Teller),
  • 1 oder 2 weiche Haarpinsel,
  • Messer
So macht man das:

1Abtrennen der Folie mit Bildschicht vom Rest des Polaroids

Vorweg: Diese Technik ist eine ziemlich ‚Futzelarbeit’ und klappt meist nicht auf Anhieb ganz perfekt – ich übe auch noch. Für die ersten Versuche solltet ihr deshalb nicht euren Lieblings-Polaroid-Schnappschuss opfern, sondern ruhig ein Foto, dass nicht so gelungen ist. Das macht die Sache um einiges stressfreier!
Wenn ihr ‚Polaroid Emulsion Lift’ googelt, findet ihr zahlreiche Anleitungen und Videos dazu – dort wird die Technik tw. ein wenig anders erklärt. Ich schildere sie hier so, wie ich es am einfachsten finde – aber das muss wahrscheinlich jeder im Experiment selbst herausfinden. Ich habe es auch leider nicht geschafft, für jeden Schritt Fotos anzufertigen...aber wie gesagt: einfach mal ausprobieren!
Ich fotografiere mit einer Polaroid Kamera mit 600er Integral Film (d.h. das Bild entwickelt ganz von selbst, man muss nichts es nicht mehr auseinanderziehen, so wie das bei anderen Filmen der Fall ist), die Technik scheint aber auch mit anderen Filmen zu funktionieren.

Ganz links im Bild seht ihr das Polaroid in seinem Ausgangszustand. Dreht es um und trennt mit einem Messer die Schicht der weißen Ränder um die schwarze Hinterseite ab. Der breitere Rand an einer Querseite Polaroids enthält die Entwicklerflüssigkeit – glaube ich ;-). Diese Kammer solltet ihr nicht unbedingt zerschneiden, weil die Flüssigkeit dann rauskommt (ihr könnt diesen Teil auch einfach vor dem Abritzen der weißen Seitenränder zwischen Bild und Rand mit der Schere abschneiden).
Wenn ihr alle Ränder entfernt habt, zieht den durchsichtigen Vorderteil des Fotos (auf dessen Rückseite haftet das Bild, das ihr ablösen werdet) und die Rückseite auseinander.

2Ablösen der Bildschicht und Transfer auf das Trägermaterial

Als nächstes kommt unser Bild in ein warmes Wasserbad (ich nehme es immer direkt von der ganz heiß aufgedrehten Wasserleitung, andere kochen es erst mit dem Wasserkocher auf) – und zwar mit der ursprünglichen Foto-Vorderseite nach unten.
Nun beginnt die ‚Bildschicht’, sich abzulösen: In der Mitte geht das meist von ganz allein (seht ihr daran, dass sich das Bild etwas in Falten legt), am Rand müsst ihr mit weichen Pinseln (Am besten für Aquarellmalerei: Ich verwende einen breiteren und einen sehr schmalen) nachhelfen. Vorsicht – die Bildschicht zerreißt sehr leicht – also nur Geduld!

Wenn das Bild vollkommen abgelöst ist, nehmt ihr das Trägermaterial zur Hand: Dabei handelt es sich entweder um Aquarellpapier oder ein Spezialpapier für Emulsion Lifts. Ich habe bisher immer mit Aquarellpapier gearbeitet und probiere heute zum ersten Mal das Spezialpapier aus. Das Papier feuchtet ihr an (ich habe dafür ein Gefäß mit kaltem Wasser griffbereit), damit die Bildschicht gut haften bleibt.
Hebt die Folie mit der Bildschicht ganz vorsichtig aus dem Wasser, legt das Trägerpapier oben auf und dreht euer Werkstück um (Folie liegt nun oben, Papier unten). Entfernt – wieder ganz vorsichtig – die Folie von der Bildschicht (entweder schieben oder ganz vorsichtig hochziehen). Idealerweise sollte die Bildschicht nun auf dem Trägerpapier liegen, die Folie bleibt übrig (siehe Bild rechts).

3Finish: Glätten der Bildschicht auf dem Trägerpapier

Die Bildschicht hat nun vermutlich die Oberfläche einer ungelifteten 95-Jährigen ;-) – d.h. ihr müsst durch vorsichtiges Darüberstreichen mit dem Pinsel versuchen, etwaige Luftblasen zwischen Bildschicht und Papier herauszudrücken und das Bild faltenfrei zu bekommen. Ihr könnt auch versuchen, das Bild wie mit einer Pinzette zwischen den zwei Pinseln festzuhalten und leicht zu ziehen. Außerdem kann man einen flachen Teller mit kaltem Wasser füllen, das Trägerpapier mit Bild unter die Wasseroberfläche drücken und versuchen, die Falten so auszubügeln.

4Fertig!

Wenn ihr mit dem Ergebnis zufrieden seid (es muss nicht immer ganz ohne Risse und Falten sein, man kann diese auch absichtlich erzeugen und dadurch unerwartet tolle Effekte erzielen), muss euer Bild trocknen. Bevor ihr es einrahmt, könnt ihr es auch eventuell pressen (auch hier vorsichtig arbeiten, um die Bildschicht nicht nachträglich noch zu zerstören). Wie ihr seht, mein Bild ist auch nicht vollkommen ganz geblieben...da hilft nur üben, üben, üben. Viel Spaß dabei! ;-)





Ein Kommentar
  1. Wow, klingt echt fummelig, aber das Ergebnis lässt sich durchaus sehen! Und ja, du darfst den neuen Herstellen nennen :)

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