Naturkosmetik- & Seifenlexikon
Nachschlagewerk
Willkommen im Naturkosmetik- & Seifenlexikon von Handmade KULTUR
Verseifung, Überfettung, Hydrolat – wer Seife siedet oder Cremes selbst rührt, bewegt sich zwischen Handwerk und Chemie. Die wichtigsten Begriffe zu kennen macht das Selbermachen sicherer und die Ergebnisse besser.
In diesem Naturkosmetik- und Seifenlexikon erklären wir dir die wichtigsten Fachbegriffe rund um selbst gemachte Seife, Cremes und Pflegeprodukte – von der Kaltverseifung über Zutaten wie Sheabutter und ätherische Öle bis zu Sicherheitsthemen wie dem Umgang mit Natronlauge. So gelingt der Einstieg in die selbst gemachte Naturkosmetik.
Viel Spaß beim Entdecken und Selbermachen!
A
- Ätherisches Öl
- Ätherische Öle sind konzentrierte, aus Pflanzen gewonnene Duft- und Wirkstoffe, etwa Lavendel-, Zitronen- oder Teebaumöl. Sie werden nur in kleinen Mengen dosiert und nicht pur auf die Haut aufgetragen; bei Zitrusölen ist die photosensibilisierende Wirkung zu beachten.
B
- Badebombe
- Badebomben bestehen im Kern aus Natron und Zitronensäure, die im Wasser miteinander reagieren und sprudeln, dazu kommen Öle, Duft und Farbe. Die Mischung wird leicht angefeuchtet in Formen gepresst und muss vor der Benutzung gut durchtrocknen.
- Basisöl (Trägeröl)
- Basisöle wie Mandel-, Jojoba- oder Olivenöl bilden die pflegende Grundlage von Massageölen, Cremes und Ölauszügen und verdünnen ätherische Öle hautverträglich. Jedes Öl bringt eigene Eigenschaften mit – von leicht einziehend bis reichhaltig.
- Bienenwachs
- Bienenwachs macht Salben und Balsame fest, bildet einen leichten Schutzfilm auf der Haut und ist die klassische Konsistenzgeberin in Lippenpflege und Wachstüchern. Vegane Alternativen sind Carnauba- und Candelillawachs.
D
- Duftöl
- Duftöle (Parfümöle) sind synthetisch hergestellte Duftstoffe – im Unterschied zu naturreinen ätherischen Ölen. In Seifen sind sie oft farb- und verarbeitungsstabiler, für Naturkosmetik im engeren Sinn werden dagegen ätherische Öle verwendet.
E
- Emulgator
- Ein Emulgator verbindet Wasser und Öl dauerhaft zu einer Creme oder Lotion – gängig in der selbst gerührten Kosmetik ist etwa Emulsan oder Lanolin. Ohne Emulgator trennen sich die Phasen wieder; reine Öl-Wachs-Mischungen wie Salben brauchen keinen.
G
- Gelphase
- Die Gelphase ist eine Wärmephase in der frisch gegossenen Seife, in der die Verseifung auf Hochtouren läuft und die Masse glasig wird. Sie macht Farben leuchtender; wer sie vermeiden will (etwa bei Milchseifen), kühlt die Form – erzwingen lässt sie sich durch Isolieren.
- Glycerin
- Glycerin ist ein Feuchthaltemittel, das bei der Verseifung ganz von selbst entsteht – ein großer Vorteil handgesiedeter Seifen gegenüber Industrieseife, der es oft entzogen wird. Es bindet Feuchtigkeit in der Haut und ist auch Basis von Gießseifen.
H
- Heißverseifung
- Bei der Heißverseifung wird der Seifenleim unter Wärmezufuhr – etwa im Ofen oder Slowcooker – vollständig verseift. Die Seife ist dadurch sofort mild und benutzbar, wird aber rustikaler in der Optik als kalt gesiedete Seife.
- Hydrolat
- Hydrolate wie Rosen- oder Lavendelwasser entstehen als Kondenswasser bei der Wasserdampfdestillation ätherischer Öle. Sie sind mild, gut hautverträglich und werden als Gesichtswasser oder Wasserphase in Cremes verwendet – gekühlt und zügig aufbrauchen.
K
- Kaltverseifung
- Die Kaltverseifung ist die gängigste Methode des Seifensiedens: Öle und Natronlauge werden bei niedriger Temperatur verrührt, die Verseifung läuft ohne weitere Wärmezufuhr in der Form ab. Die Seife braucht danach mehrere Wochen Reifezeit.
- Kernseife
- Kernseife ist eine einfache, meist unparfümierte Seife ohne Überfettung und Glycerin, traditionell durch Aussalzen des Seifenleims gewonnen. Sie ist Basis vieler DIY-Rezepte – von Waschmittel bis Filzseife.
- Konservierung
- Alles, was Wasser enthält – Cremes, Lotionen, Hydrolate –, ist ein Nährboden für Keime und braucht Konservierung oder muss gekühlt und schnell verbraucht werden. Wasserfreie Produkte wie Salben, Öle und feste Seifen sind von Natur aus deutlich länger haltbar.
N
- Natronlauge (NaOH)
- Natronlauge entsteht, wenn Ätznatron (Natriumhydroxid) in Wasser gelöst wird, und ist beim Seifensieden unverzichtbar – aber stark ätzend. Deshalb gilt: Schutzbrille und Handschuhe tragen, immer das NaOH ins Wasser geben (nie umgekehrt) und Kinder fernhalten.
- Naturkosmetik
- Naturkosmetik setzt auf Rohstoffe natürlichen Ursprungs und verzichtet auf Silikone, Mineralöle und synthetische Duft- und Konservierungsstoffe. Beim Selbermachen bestimmst du jede Zutat – und sparst nebenbei Verpackungsmüll.
O
- Ölauszug (Mazerat)
- Für einen Ölauszug werden Pflanzenteile – klassisch Ringelblumenblüten oder Johanniskraut – über Wochen in Basisöl ausgezogen, das die fettlöslichen Wirkstoffe aufnimmt. Das Mazerat ist Grundlage vieler Salben und Pflegeöle.
P
- Peeling
- Selbst gemachte Peelings kombinieren ein Basisöl oder eine Seifengrundlage mit natürlichen Schleifpartikeln wie Zucker, Salz oder Kaffeesatz. Sie entfernen abgestorbene Hautschüppchen und sind in Minuten angerührt – ein ideales DIY-Geschenk.
- pH-Wert
- Der pH-Wert beschreibt, wie sauer oder basisch ein Produkt ist. Haut liegt leicht sauer bei etwa 5,5, feste Seife naturgemäß basisch bei 8–10. Bei selbst gerührten Cremes und Shampoos lohnt die Kontrolle mit Teststreifen.
R
- Reifezeit
- Kalt gesiedete Seife muss nach dem Ausformen vier bis sechs Wochen luftig reifen: Restlauge reagiert ab, Wasser verdunstet, die Seife wird milder, härter und ergiebiger. Geduld zahlt sich hier buchstäblich aus.
S
- Salbe
- Salben sind wasserfreie Mischungen aus Ölen, Wachsen und Wirkstoffen – etwa die klassische Ringelblumensalbe aus Ölauszug und Bienenwachs. Ohne Wasserphase brauchen sie keinen Emulgator und keine Konservierung.
- Seifenform
- Seifenleim wird in Silikonformen, Holzkisten mit Backpapier oder recycelte Milchkartons gegossen. Wichtig ist laugenbeständiges Material – kein Aluminium! Blockformen werden nach ein bis zwei Tagen in Stücke geschnitten.
- Seifenleim
- Seifenleim ist die noch flüssige, angedickte Seifenmasse aus Ölen und Lauge, bevor sie in die Form kommt. In diesem Stadium werden Duft, Farbe und Zusätze eingerührt und Muster wie Swirls gezogen – zügig arbeiten, bevor die Masse fest wird.
- Seifenrechner
- Ein Seifenrechner berechnet für jede Ölmischung die exakt benötigte Menge NaOH und die gewünschte Überfettung. Jedes Rezept – auch übernommene – sollte vor dem Sieden damit gegengerechnet werden; jedes Öl hat eine eigene Verseifungszahl.
- Sheabutter
- Sheabutter wird aus den Nüssen des Karitébaums gewonnen und ist eine der beliebtesten Pflegezutaten: reichhaltig, entzündungshemmend und schon pur als Körperbutter verwendbar. In Seifen sorgt sie für ein cremiges, pflegendes Schaumgefühl.
T
- Tensid
- Tenside sind waschaktive Substanzen, die Fett und Schmutz in Wasser lösbar machen – Seife ist das älteste Tensid. In selbst gemachten festen Shampoos werden milde Zuckertenside wie SCI verwendet.
- Trace (Andicken)
- Trace nennt man den Moment, in dem der Seifenleim puddingartig andickt: Vom Löffel laufende Spuren bleiben auf der Oberfläche sichtbar. Jetzt werden Duft und Farbe eingearbeitet – bei leichtem Trace lassen sich noch Muster gießen, bei starkem wird gespachtelt.
U
- Überfettung
- Die Überfettung ist der Ölanteil, der bewusst nicht verseift wird und als Pflegeanteil in der Seife bleibt – üblich sind 5 bis 10 Prozent. Je höher die Überfettung, desto milder die Seife, desto weicher aber auch das Stück.
V
- Verseifung
- Verseifung ist die chemische Reaktion, bei der Fette und Öle mit Lauge zu Seife und Glycerin reagieren. Sie beginnt beim Verrühren und ist – je nach Methode – nach Stunden bis Wochen abgeschlossen; danach ist keine freie Lauge mehr enthalten.
- Verseifungszahl
- Die Verseifungszahl gibt an, wie viel NaOH nötig ist, um ein Gramm eines bestimmten Öls vollständig zu verseifen – sie ist für jedes Öl anders. Seifenrechner haben diese Werte hinterlegt; deshalb dürfen Öle nie einfach frei ausgetauscht werden.