Weblexikon
Nachschlagewerk
Willkommen im Weblexikon von Handmade KULTUR
Kette und Schuss, Fach und Litze – Weben ist eine der ältesten Handwerkstechniken der Menschheit und erlebt am kleinen Webrahmen gerade ein großes Comeback.
In diesem Weblexikon erklären wir dir die wichtigsten Fachbegriffe rund ums Weben – von den Grundlagen wie Kett- und Schussfaden über Bindungsarten wie Leinwand- und Köperbindung bis zu Techniken wie Rya-Knoten und Soumak für strukturreiche Wandbehänge. Damit liest du jede Webanleitung ohne Stolpern.
Viel Spaß beim Entdecken und Weben!
A
- Anschlagen
- Nach jedem Schuss wird der eingetragene Faden mit Webkamm, Gabel oder Blatt an das fertige Gewebe herangedrückt – das Anschlagen. Gleichmäßiger Anschlag entscheidet darüber, ob das Gewebe dicht und ebenmäßig wird.
- Atlasbindung
- Die Atlasbindung (Satinbindung) ist eine der drei Grundbindungen: Die Bindungspunkte sind so weit verstreut, dass lange Flottierungen entstehen und die Oberfläche glatt und glänzend wirkt – wie bei Satinstoffen.
B
- Bindung
- Die Bindung beschreibt, in welchem Rhythmus sich Kett- und Schussfäden kreuzen. Aus den drei Grundbindungen – Leinwand, Köper und Atlas – leiten sich alle Gewebearten ab; die Bindung bestimmt Aussehen, Festigkeit und Fall des Stoffes.
- Brettchenweben
- Beim Brettchenweben laufen die Kettfäden durch gelochte Brettchen, die gedreht werden und so das Fach bilden. Mit der Technik entstehen feste, gemusterte Bänder und Gurte – schon Wikinger und Kelten webten so ihre Borten.
F
- Fach (Webfach)
- Das Fach ist der Zwischenraum, der entsteht, wenn ein Teil der Kettfäden angehoben wird – durch ihn wird der Schussfaden geführt. Am Webstuhl öffnen Schäfte das Fach, am einfachen Webrahmen hebt man die Fäden mit Stab oder Nadel.
- Flottierung
- Eine Flottierung ist ein Fadenabschnitt, der über mehrere Kreuzungspunkte hinweg lose über dem Gewebe liegt, ohne eingebunden zu sein. Lange Flottierungen machen Stoffe glänzend und weich, aber auch empfindlicher gegen Fadenzieher.
- Fransenabschluss
- Beim Abnehmen vom Rahmen werden die aufgeschnittenen Kettfäden gesichert – meist durch Knoten in kleinen Bündeln, die als Fransen sichtbar bleiben, oder durch Vernähen auf der Rückseite. Erst der gesicherte Abschluss verhindert, dass sich das Gewebe auflöst.
G
- Gatterkamm
- Der Gatterkamm ist Fachbildner und Anschlagkamm in einem: Die Kettfäden laufen abwechselnd durch Löcher und Schlitze; wird der Kamm gehoben oder gesenkt, öffnet sich das Fach. Gatterkamm-Webstühle sind der beliebteste Einstieg ins Weben von Meterware und Schals.
K
- Kelim-Technik
- Kelim ist eine Bildwirktechnik, bei der die Schussfäden farbfeldweise hin- und zurückgeführt werden und die Kette komplett verdecken. An senkrechten Farbgrenzen entstehen die typischen kleinen Schlitze – daher auch Schlitzwirkerei genannt.
- Kettbaum
- Der Kettbaum ist die Walze am Webstuhl, auf der der Kettfadenvorrat aufgewickelt ist. Beim Weben wird die Kette nach und nach abgewickelt, während das fertige Gewebe vorne auf dem Warenbaum aufgerollt wird.
- Kette (Kettfäden)
- Die Kette sind die längs verlaufenden Fäden, die vor dem Weben auf Rahmen oder Webstuhl gespannt werden. Kettgarn muss reißfest und glatt sein, denn es steht unter Spannung und wird stark beansprucht – die Kette ist das Rückgrat jedes Gewebes.
- Köperbindung
- Bei der Köperbindung verspringt der Bindungspunkt in jeder Reihe um einen Faden, sodass die typischen Diagonalgrate entstehen – bekannt von Jeansstoff (Denim). Köpergewebe sind dichter und fallen weicher als Leinwandbindungen.
L
- Leinwandbindung
- Die Leinwandbindung ist die einfachste und festeste Grundbindung: Jeder Schussfaden läuft abwechselnd über und unter jedem Kettfaden, wie beim Flechten. Fast alles, was am einfachen Webrahmen entsteht, ist leinwandbindig.
- Litze
- Litzen sind die Fadenschlaufen oder Drahtösen an den Schäften eines Webstuhls, durch die je ein Kettfaden gezogen wird. Welche Litze auf welchem Schaft sitzt, bestimmt, welche Fäden sich gemeinsam heben – und damit das Muster.
R
- Rya-Knoten
- Der Rya-Knoten ist ein um zwei Kettfäden geschlungener Florknoten, dessen Enden als weiche Fransen herabhängen. Reihenweise geknüpft entstehen flauschige Flächen – die Technik stammt von skandinavischen Flokati-Teppichen und ist typisch für moderne Wandbehänge.
S
- Schäfte
- Schäfte sind bewegliche Rahmen im Webstuhl, die über ihre Litzen ganze Gruppen von Kettfäden gleichzeitig anheben. Je mehr Schäfte ein Webstuhl hat, desto komplexere Bindungen und Muster sind möglich – zwei Schäfte genügen für Leinwandbindung.
- Schären
- Schären ist das Vorbereiten der Kette: Die Kettfäden werden in gleichmäßiger Länge, Reihenfolge und Spannung abgemessen – am Schärbaum oder Schärrahmen – und anschließend auf den Webstuhl gebracht. Sorgfalt beim Schären zahlt sich beim Weben doppelt aus.
- Schiffchen
- Das Webschiffchen trägt den aufgewickelten Schussfaden durch das geöffnete Fach. Am Handwebrahmen übernimmt das ein flaches Websternchen oder eine lange Webnadel, am Webstuhl gleitet das Schiffchen über das Riet.
- Schuss (Schussfaden)
- Der Schuss ist der Faden, der quer durch das Fach eingetragen wird und sich mit der Kette zum Gewebe verkreuzt. Beim Eintragen wird er bogenförmig eingelegt, damit sich das Gewebe an den Rändern nicht zusammenzieht.
- Soumak
- Soumak ist eine Wickeltechnik, bei der der Schussfaden zopfartig um die Kettfäden geschlungen statt nur eingelegt wird. Sie erzeugt erhabene, geflochtene wirkende Linien und ist neben dem Rya-Knoten die wichtigste Struktur-Technik in modernen Wandbehängen.
T
- Tapisserie (Bildweberei)
- Tapisserie ist das Weben von Bildern: Farbige Schussfäden werden feldweise eingearbeitet und verdecken die Kette vollständig. Von mittelalterlichen Wandteppichen bis zum modernen Wandbehang – die Technik verbindet Weben und Malerei.
W
- Webkante
- Die Webkante ist der feste Rand des Gewebes, an dem der Schussfaden wendet. Gleichmäßige Kanten sind die Kür des Webens: Sie gelingen durch gleichbleibende Fadenspannung und das bogenförmige Einlegen des Schusses.
- Webnadel
- Die Webnadel ist eine lange, stumpfe Nadel, mit der der Schussfaden am kleinen Webrahmen durch das Fach geführt wird. Für dickere Garne gibt es flache Holznadeln, für feine Arbeiten Metallnadeln mit großem Öhr.
- Webrahmen
- Der Webrahmen ist der einfachste Weg zum eigenen Gewebe: ein Rahmen, auf den die Kette gespannt wird – vom Schulwebrahmen bis zum großen Rahmen für Wandbehänge. Ohne Schäfte wird das Fach von Hand oder mit einem Stab gebildet.
- Webstuhl
- Der Webstuhl ist die mechanische Weiterentwicklung des Webrahmens: Schäfte, Tritte und Kettbaum ermöglichen lange Gewebe, gleichmäßige Spannung und komplexe Bindungen. Für zu Hause sind Tisch- und Gatterkamm-Webstühle die gängigsten Varianten.