Töpferlexikon
Nachschlagewerk
Willkommen im Töpferlexikon von Handmade KULTUR
Schrühbrand, Engobe, lederhart – wer mit Ton arbeitet, begegnet schnell Begriffen aus einer jahrtausendealten Handwerkstradition. Sie zu kennen hilft, Anleitungen zu verstehen und Fehler wie Risse oder abgeplatzte Glasuren zu vermeiden.
In diesem Töpferlexikon erklären wir dir die wichtigsten Fachbegriffe rund um Ton und Keramik – von Aufbautechniken wie Wulst- und Plattentechnik über die Arbeit an der Töpferscheibe bis zu Brand und Glasur. Egal ob du im Kurs, im Atelier oder mit lufttrocknendem Ton zu Hause arbeitest: Hier findest du die Grundlagen.
Viel Spaß beim Entdecken und Töpfern!
A
- Abdrehen
- Beim Abdrehen wird ein gedrehtes, lederhartes Gefäß kopfüber wieder auf der Töpferscheibe zentriert und überschüssiger Ton am Boden mit Drehschlingen abgetragen. So entstehen der Standring und die endgültige Wandstärke.
- Aufbautechnik
- Aufbautechniken sind alle Methoden, Gefäße ohne Töpferscheibe von Hand zu formen – aus Daumenschalen, Tonwülsten oder Platten. Sie sind der einfachste Einstieg ins Töpfern und erlauben auch unregelmäßige, skulpturale Formen.
B
- Brennofen
- Der Brennofen härtet den getrockneten Ton bei Temperaturen zwischen etwa 900 und 1300 °C zu Keramik. Ohne Brand bleibt Ton wasserlöslich; wer keinen eigenen Ofen hat, kann Brennservices von Töpferwerkstätten nutzen.
- Brenntemperatur
- Jede Tonmasse und jede Glasur hat einen vorgegebenen Temperaturbereich, in dem sie dicht brennt beziehungsweise korrekt ausschmilzt. Ton und Glasur müssen zueinander passen – die Angaben stehen auf der Verpackung, etwa „1050–1150 °C“.
C
- Craquelé-Glasur
- Craquelé (Krakelee) bezeichnet die feinen Haarrisse in einer Glasur, die entstehen, wenn Glasur und Scherben sich beim Abkühlen unterschiedlich stark zusammenziehen. Als bewusster Effekt ist es dekorativ – für Geschirr sind rissfreie Glasuren hygienischer.
D
- Daumenschale (Pinch Pot)
- Die Daumenschale ist die älteste Töpfertechnik: Eine Tonkugel wird mit dem Daumen geöffnet und die Wand zwischen Daumen und Fingern gleichmäßig dünn gedrückt. Perfekt für erste Schalen und als Basis kleiner Figuren.
- Drehen an der Töpferscheibe
- Beim Drehen wird ein zentrierter Tonklumpen auf der rotierenden Scheibe geöffnet und die Wand zwischen den Händen nach oben gezogen. Die Technik verlangt Übung – Zentrieren und gleichmäßiger Druck sind die halbe Miete.
E
- Engobe
- Engobe ist eingefärbter, flüssiger Tonschlicker, der vor dem Brand auf den lederharten Scherben aufgetragen wird – deckend, als Malerei oder in Ritztechnik (Sgraffito). Anders als Glasur bleibt Engobe matt und porös, kann aber transparent überglasiert werden.
G
- Glasur
- Glasur ist ein Gemisch aus Glasbildnern, Flussmitteln und Farbkörpern, das beim Glasurbrand zu einer glasartigen Schicht ausschmilzt. Sie macht Keramik wasserdicht, lebensmittelecht und farbig – aufgetragen wird durch Tauchen, Gießen oder mit dem Pinsel.
- Glasurbrand
- Der Glasurbrand ist der zweite Brand nach dem Glasieren, bei dem die Glasur ausschmilzt und sich fest mit dem Scherben verbindet. Er erfolgt je nach Glasur und Ton meist zwischen 1020 und 1250 °C.
K
- Kaolin
- Kaolin ist ein besonders reines, weiß brennendes Tonmineral und der Hauptbestandteil von Porzellan. Auch in vielen Glasuren und Engoben ist Kaolin enthalten.
- Keramik
- Keramik ist der Oberbegriff für alle aus Ton geformten und gebrannten Erzeugnisse – von Steingut über Steinzeug bis Porzellan. Erst der Brand verwandelt den formbaren Ton unumkehrbar in festen keramischen Scherben.
L
- Lederhart
- Lederhart ist der Trocknungszustand, in dem Ton noch dunkel und kühl, aber schon schnittfest ist – vergleichbar mit fester Schokolade. Jetzt wird abgedreht, geritzt, angarniert (Henkel!) und mit Engobe dekoriert.
- Lufttrocknender Ton
- Lufttrocknende Modelliermassen härten ohne Brennofen an der Luft aus und eignen sich für Deko-Objekte. Sie bleiben allerdings wasserempfindlich und sind nicht lebensmittelecht – für Geschirr führt kein Weg am Brand vorbei.
P
- Plattentechnik
- Bei der Plattentechnik wird Ton mit Rollhölzern oder der Plattenwalze zu gleichmäßigen Platten ausgerollt, die zugeschnitten und zu Gefäßen, Dosen oder Vasen zusammengesetzt werden. Die Kanten werden dafür angeritzt und mit Schlicker verbunden.
- Porzellan
- Porzellan ist die edelste keramische Masse: weiß, extrem fein und bei über 1300 °C dicht gebrannt, in dünnen Wandungen sogar lichtdurchlässig. Es ist anspruchsvoller zu verarbeiten als Steinzeugton.
R
- Raku
- Raku ist eine aus Japan stammende Brenntechnik, bei der glühende Keramik direkt aus dem Ofen genommen und in Sägespänen oder Ähnlichem abgeraucht wird. Typisch sind rauchgeschwärzte Scherben und lebendige Craquelé-Effekte – jedes Stück ein Unikat.
- Ritzen und Schlickern
- Sollen zwei Tonteile verbunden werden – etwa Henkel und Tasse –, werden beide Kontaktflächen aufgeraut (geritzt) und mit Schlicker bestrichen, dann fest angedrückt. Ohne Ritzen und Schlickern platzen Verbindungen beim Trocknen oder Brennen ab.
S
- Schamotte
- Schamotte ist gebrannter, gemahlener Ton, der frischen Tonmassen beigemischt wird. Schamottierter Ton ist standfester, trocknet gleichmäßiger und reißt weniger – ideal für Aufbautechnik und größere Objekte; für feines Drehen nimmt man feiner schamottierte oder glatte Massen.
- Scherben
- Der Scherben (Einzahl!) bezeichnet in der Keramik den gebrannten Tonkörper selbst – unabhängig von der Glasur. Man spricht etwa von weißem, rotem oder dichtem Scherben.
- Schlicker
- Schlicker ist mit Wasser angerührter, flüssiger Ton. Er dient als „Kleber“ beim Verbinden von Tonteilen, als Grundlage für Engoben und – in Gießmassenform – zum Ausgießen von Gipsformen.
- Schrühbrand
- Der Schrühbrand ist der erste Brand des vollständig getrockneten Tons bei etwa 900–960 °C. Der Scherben wird dabei fest, bleibt aber porös genug, um anschließend Glasur aufzunehmen.
- Steingut
- Steingut ist niedrig gebrannte Keramik (etwa 1000–1100 °C) mit porösem, meist hellem Scherben. Es lässt sich leicht verarbeiten und bunt glasieren, ist aber weniger frost- und stoßfest als Steinzeug.
- Steinzeug
- Steinzeug wird bei etwa 1200–1300 °C dicht gebrannt und ist dadurch wasserdicht, robust und meist spülmaschinenfest – der Standard für handgemachtes Gebrauchsgeschirr.
T
- Ton
- Ton ist ein natürliches, plastisches Sediment aus feinsten Mineralteilchen. Töpferton wird nach Farbe (weiß, rot, schwarz), Schamottierung und Brenntemperatur unterschieden – die Wahl der Masse richtet sich nach Technik und Verwendungszweck.
- Töpferscheibe
- Die Töpferscheibe ist eine rotierende Arbeitsplatte, angetrieben per Motor oder traditionell per Fußkick, auf der runde Gefäße gedreht werden. Drehgeschwindigkeit und ruhige Handführung bestimmen das Ergebnis.
- Trocknungsriss
- Trocknungsrisse entstehen, wenn Ton zu schnell oder ungleichmäßig trocknet – etwa an Henkeln oder dicken Böden. Langsames, abgedecktes Trocknen und gleichmäßige Wandstärken sind die beste Vorbeugung.
U
- Unterglasurfarbe
- Unterglasurfarben werden auf den geschrühten Scherben gemalt und anschließend transparent überglasiert. Das Dekor liegt geschützt unter der Glasur und bleibt dauerhaft brillant – die klassische Technik für bemaltes Geschirr.
W
- Wulsttechnik
- Bei der Wulsttechnik werden gleichmäßig gerollte Tonwülste spiralförmig aufeinandergesetzt und verstrichen. Mit ihr lassen sich auch große Gefäße ohne Scheibe aufbauen – eine der ältesten Techniken der Menschheit.
Z
- Zentrieren
- Zentrieren heißt, den Tonklumpen auf der laufenden Töpferscheibe exakt in die Mitte zu zwingen, bis er ohne Schlagen rund läuft. Es ist der schwierigste und wichtigste Schritt beim Drehen – ohne sauberes Zentrieren gelingt kein gleichmäßiges Gefäß.