Manganor auf Keramik – Muster und Strukturen hervorheben – eine einfache Technik für mehr Tiefe
Mit Manganor lassen sich eingeritzte Linien und Vertiefungen auf Keramik wunderbar dunkel hervorheben. Das Muster entsteht dabei nicht durch das Manganor selbst – es wird bereits vorher in den Ton gearbeitet. Das Manganor sorgt anschließend dafür, dass diese Strukturen deutlich sichtbar werden und mehr Tiefe bekommen.
Ich habe die Technik zunächst an meinen Kerzentellern ausprobiert und anschließend auch bei einer wesentlich aufwendiger gestalteten Vogeltränke mit Pflanzen, Libellen, Wasserringen und plastischen Details verwendet. Gerade an diesen beiden sehr unterschiedlichen Arbeiten lässt sich schön erkennen, wie vielseitig die eigentlich einfache Technik eingesetzt werden kann.
Die einzelnen Arbeitsschritte findet ihr hier in der Anleitung. Wenn ihr darüber hinaus sehen möchtet, wie ich die Technik selbst angewendet habe, findet ihr in meinem Blog viele Bilder vom Entstehungsprozess, meine Erfahrungen mit Manganor, weitere Hinweise zu Manganor und Braunstein sowie die fertig gebrannte Vogeltränke:
→ Meine ausführliche bebilderte Anleitung: Manganor auf Keramik anwenden – MABA Ceramic Studio
Wenn ihr Manganor noch nie verwendet habt, fangt am besten mit einem kleinen geschrühten Probestück und ein paar eingeritzten Linien an. So könnt ihr ganz in Ruhe ausprobieren, wie stark ihr das Manganor wieder abwischen möchtet und welche Wirkung euch am besten gefällt.
Das brauchst du
Material
- ein geschrühtes Keramikstück mit eingeritzten oder eingedrückten Strukturen
- Manganor
- Wasser
Werkzeug
- einen kleinen Behälter
- einen separaten Behälter für das Wischwasser
- geeigneten Atemschutz beim Umgang mit dem trockenen Pulver
- Gummihandschuhe
- Pinsel
- Schwamm oder weiches Tuch
- verschließbare Gefäße
So geht’s
Schritt 1: Muster gestalten und schrühen
Das Muster wird zunächst in den noch formbaren Ton gearbeitet. Ihr könnt Linien einritzen, Stempel verwenden, Muster eindrücken oder verschiedene Techniken miteinander kombinieren.
Anschließend lasst ihr euer Werkstück vollständig trocknen und führt den Schrühbrand wie gewohnt durch.
Das Manganor verwende ich erst nach dem Schrühbrand.
Schritt 2: Manganor anrühren
Manganor wird als trockenes Pulver angeboten.
Für meinen ersten Ansatz habe ich ungefähr 80 g Manganor mit 100 ml Wasser angerührt. Das ist meine persönliche Mischung und keine allgemeingültige Rezeptur.
Wichtiger als die genaue Menge ist die Konsistenz:
Die Mischung sollte ungefähr sahneartig sein.
Sie muss sich mit dem Pinsel gut verteilen lassen und in die Vertiefungen gelangen, sollte aber nicht wie Wasser über das Stück laufen.
Beim Abwiegen und Anrühren des trockenen Pulvers trage ich Gummihandschuhe und geeigneten Atemschutz und versuche, möglichst keinen Staub aufzuwirbeln.
Das restliche Pulver verschließe ich anschließend wieder gut und bewahre es trocken auf.
Schritt 3: Manganor auftragen
Jetzt wird das angerührte Manganor mit einem Pinsel auf die strukturierte Oberfläche aufgetragen.
Ihr müsst dabei nicht jede einzelne Linie nachmalen.
Das Manganor darf ruhig über die gesamte strukturierte Fläche gehen. Wichtig ist, dass es in die eingeritzten Linien und Vertiefungen gelangt.
Keine Sorge, wenn euer Stück jetzt zunächst ziemlich dunkel aussieht.
Das soll so sein.
Schritt 4: Manganor wieder abwischen
Mit einem feuchten Schwamm oder weichen Tuch wird das überschüssige Manganor anschließend vorsichtig von den höher liegenden Flächen abgenommen.
In den Vertiefungen bleibt mehr davon zurück.
Und jetzt passiert der eigentlich schöne Teil:
Das Muster kommt zum Vorschein.
Wie stark ihr die Oberfläche abwischt, könnt ihr selbst bestimmen. Ihr könnt hauptsächlich die dunklen Linien stehen lassen oder bewusst einen leichten dunklen Schleier auf Teilen der Oberfläche behalten.
Gerade dieser nicht vollkommen gleichmäßige Effekt kann einer Keramik viel Tiefe geben.
Schritt 5: Gut trocknen lassen
Nach dem Abwischen hat die geschrühte Keramik wieder Feuchtigkeit aufgenommen.
Deshalb glasiere ich nicht sofort weiter.
Ich lasse meine Stücke ungefähr 24 Stunden trocknen, bevor ich mit der Glasur weiterarbeite.
Schritt 6: Glasieren und brennen
Wenn das Muster weiterhin deutlich sichtbar bleiben soll, eignen sich transparente oder halbtransparente Glasuren besonders gut.
Eine stark deckende Glasur kann die zuvor hervorgehobenen Linien wieder verdecken.
Ihr könnt aber auch ganz auf eine Glasur verzichten und das Manganor für sich wirken lassen.
Gerade beim ersten Versuch lohnt sich ein kleines Probestück, denn Ton, Manganor, Glasur und Brenntemperatur beeinflussen gemeinsam das spätere Ergebnis.
Wichtig: Wischwasser nicht einfach wegschütten
Das Manganor, das wir gerade vom Werkstück abgewischt haben, befindet sich anschließend im Schwamm und im Wischwasser.
Ich sammle dieses Wasser deshalb separat und schütte es nicht einfach in Waschbecken oder Toilette.
Auch die abgesetzten festen Rückstände gehören nicht in den Ausguss oder in den Garten. Wie solche Materialreste bei euch entsorgt werden müssen, richtet sich nach den örtlichen Vorgaben. Im Zweifel könnt ihr bei eurem Wertstoffhof oder der kommunalen Abfallberatung nachfragen.
Noch ein Wort zur Sicherheit
Manganor wird im Keramikbedarf als kennzeichnungsfreier Ersatz für Braunstein angeboten.
Braunstein ist eine Bezeichnung für Mangandioxid (MnO₂), das ebenfalls in der Keramik verwendet wird, dessen Staub beim Einatmen jedoch gesundheitlich problematisch sein kann.
Ich persönlich verwende deshalb für diese Technik Manganor und keinen losen Braunstein.
Aber auch bei Manganor bedeutet „kennzeichnungsfrei“ für mich nicht „sorglos“.
Ich trage beim Umgang mit dem trockenen Pulver geeigneten Atemschutz, während der gesamten Verarbeitung Gummihandschuhe und arbeite möglichst staubarm. Bitte beachtet immer das Sicherheitsdatenblatt und die Herstellerangaben eures konkreten Produktes.









