Schnittmuster-Lexikon
Nachschlagewerk
Willkommen im Schnittmuster-Lexikon von Handmade KULTUR
Fadenlaufpfeil, Knips, FBA – Schnittmuster sprechen ihre eigene Sprache aus Symbolen, Linien und Abkürzungen. Wer sie lesen kann, näht entspannter und mit besserer Passform.
In diesem Schnittmuster-Lexikon erklären wir dir die wichtigsten Begriffe, Abkürzungen und Markierungen rund um Papier- und PDF-Schnittmuster – vom Maßnehmen über Passzeichen und Stoffbruchlinie bis zu Anpassungen wie der Full Bust Adjustment. Die passenden Schnitte findest du in unserer Sammlung kostenloser Schnittmuster, und alle Nähtechniken erklärt dir unser Nählexikon.
Viel Spaß beim Entdecken und Nähen!
A
- Armausschnitt (Armloch)
- Der Armausschnitt ist die Öffnung im Vorder- und Rückenteil, in die der Ärmel eingesetzt wird. Seine Form muss zur Ärmelkugel passen – deshalb sollten Armausschnitt und Ärmel immer aus demselben Schnittmuster stammen.
- Ärmelkugel
- Die Ärmelkugel ist der obere, gerundete Teil des Ärmelschnittteils, der in den Armausschnitt eingesetzt wird. Sie ist meist etwas weiter als das Armloch und wird beim Einnähen leicht eingehalten, damit sich der Ärmel der Schulterrundung anpasst.
B
- Beleg
- Ein Beleg ist ein separates Schnittteil, das die Kante von Ausschnitt, Armloch oder Verschluss von innen sauber abschließt. Im Schnittmuster ist er meist als eigenes, schmales Teil enthalten, das der Form der Kante folgt.
- Bequemlichkeitszugabe
- Die Bequemlichkeitszugabe (auch Bewegungszugabe oder Ease) ist die Differenz zwischen Körpermaß und Fertigmaß. Sie sorgt dafür, dass ein Kleidungsstück nicht hauteng sitzt – je nach Schnittform von wenigen Zentimetern bis zu sehr viel Weite bei Oversized-Schnitten.
- Brustpunkt (BP)
- Der Brustpunkt markiert im Schnittmuster die höchste Stelle der Brust. Auf ihn laufen Abnäher zu, und er ist der Referenzpunkt für Passformanpassungen wie die Full Bust Adjustment.
E
- Einhalteweite
- Einhalteweite ist zusätzliche Mehrweite in einem Schnittteil, die beim Nähen ohne sichtbare Falten auf das kürzere Gegenstück verteilt wird – klassisch an der Ärmelkugel. Kleine Markierungen im Schnitt zeigen, zwischen welchen Punkten eingehalten wird.
F
- Fadenlaufpfeil
- Der lange Pfeil auf jedem Schnittteil zeigt an, wie das Teil zum Fadenlauf des Stoffes liegen muss: Der Pfeil verläuft parallel zur Webkante. Wird der Fadenlauf ignoriert, kann sich das fertige Teil verziehen oder anders fallen als geplant.
- Fertigmaße und Körpermaße
- Körpermaße beschreiben den Körper, Fertigmaße das fertige Kleidungsstück. Der Vergleich beider Tabellen verrät, wie viel Bequemlichkeitszugabe ein Schnitt hat – und ist zuverlässiger für die Größenwahl als die Konfektionsgröße.
- Full Bust Adjustment (FBA)
- Die Full Bust Adjustment ist eine Schnittanpassung, die im Vorderteil gezielt Weite und Länge für eine größere Oberweite einbaut, ohne Schultern und Taille zu verändern. Das Gegenstück für eine kleinere Oberweite ist die Small Bust Adjustment (SBA).
G
- Godet
- Ein Godet ist ein keilförmiges Schnittteil, das in einen Saum oder eine Naht eingesetzt wird, um Weite und Schwung hinzuzufügen – typisch bei Röcken und Kleidern mit ausgestelltem Saum.
- Gradieren zwischen Größen
- Wer zwischen zwei Größen liegt – etwa Oberweite 38, Hüfte 42 – zeichnet die Schnittlinien fließend von einer Größe zur anderen über. Bei Mehrgrößenschnitten ist dieses „Blenden“ zwischen den Linien die wichtigste Anpassung für eine gute Passform.
- Größentabelle
- Die Größentabelle des Schnittherstellers ordnet Körpermaße den Schnittgrößen zu. Da jede Marke anders misst, gilt: immer nach der Tabelle des jeweiligen Schnitts messen und wählen, nicht nach der gewohnten Kaufgröße.
K
- Kellerfalte
- Bei einer Kellerfalte treffen zwei gegeneinander gelegte Falten in der Mitte aufeinander, die Falttiefe liegt innen. Im Schnittmuster ist sie durch Faltlinien und Pfeile markiert, die die Faltrichtung angeben.
- Knips
- Ein Knips ist ein kleiner, wenige Millimeter tiefer Einschnitt in die Nahtzugabe, der Markierungen aus dem Schnitt auf den Stoff überträgt – etwa Passzeichen, Abnäherenden oder die Ärmelmitte. Er darf nie tiefer als die Nahtzugabe geschnitten werden.
- Kontrollquadrat
- Das Kontrollquadrat (Testquadrat) auf PDF-Schnittmustern dient dazu, die Druckgröße zu prüfen: Nach dem Ausdruck der ersten Seite wird nachgemessen, ob das Quadrat exakt die angegebene Kantenlänge hat. Nur dann wurde ohne Skalierung („tatsächliche Größe“) gedruckt.
- Kopierrädchen und Kopierpapier
- Mit Kopierrädchen und farbigem Kopierpapier werden Schnittlinien und Markierungen vom Papierschnitt auf den Stoff übertragen: Das Papier liegt mit der Farbseite auf dem Stoff, das Rädchen fährt die Linien nach und hinterlässt eine feine Punktlinie.
L
- Layer-Funktion (Ebenen)
- Viele PDF-Schnittmuster enthalten Ebenen (Layer), über die sich im PDF-Programm nur die benötigte Größe einblenden lässt. Das spart Tinte und macht das Ausschneiden übersichtlicher, weil nicht alle Größenlinien übereinanderliegen.
M
- Maßnehmen
- Vor der Größenwahl werden die wichtigsten Körpermaße genommen: Oberweite an der stärksten Stelle der Brust, Taille an der schmalsten Stelle, Hüfte an der stärksten Stelle des Gesäßes – locker anliegend, über gut sitzender Unterwäsche gemessen.
- Mehrgrößenschnitt
- Ein Mehrgrößenschnitt enthält alle Größen als übereinanderliegende Linien in einem Schnittbogen, meist durch verschiedene Linienarten unterschieden. Die gewünschte Größe wird abgepaust oder ausgeschnitten – abpausen erhält die anderen Größen für später.
N
- Nahtzugabe im Schnitt
- Schnittmuster gibt es mit und ohne enthaltene Nahtzugabe – die Anleitung verrät, was gilt. Ist keine enthalten, wird sie beim Zuschneiden rundum hinzugefügt, üblich sind 0,7 bis 1,5 cm plus eine breitere Saumzugabe.
P
- Passe
- Eine Passe ist ein abgeteiltes Schnittteil im Schulter- oder Hüftbereich, etwa die Schulterpasse eines Hemds oder die Hüftpasse einer Jeans. Sie ist ein Design- und Passformelement, das Teilungsnähte und sauberen Sitz ermöglicht.
- Passzeichen
- Passzeichen sind kurze Querstriche an den Schnittkanten, die beim Zusammennähen zeigen, welche Teile und Stellen aufeinandertreffen. Sie werden per Knips oder Markierstift auf den Stoff übertragen – besonders wichtig bei langen oder gebogenen Nähten.
- PDF-Schnittmuster
- Ein PDF-Schnittmuster wird zu Hause auf A4 ausgedruckt und die Seiten werden anhand von Markierungen an den Klebekanten zusammengesetzt. Viele Schnitte enthalten zusätzlich eine A0-Datei für den Copyshop und eine Projektor-Version zum direkten Zuschneiden.
- Probeteil (Toile)
- Ein Probeteil – auch Toile oder Muslin genannt – ist eine Testversion des Kleidungsstücks aus günstigem Stoff. Es macht Passformprobleme sichtbar, bevor der gute Stoff angeschnitten wird, und lohnt sich besonders bei taillierten Schnitten.
R
- Raglanschnitt
- Beim Raglanschnitt verläuft die Ärmelnaht diagonal vom Halsausschnitt zur Achsel, statt an einer Schulterkugel zu enden. Raglanärmel sind einfacher einzunähen als eingesetzte Ärmel und typisch für sportliche Shirts und Sweater.
- Rückwärtige Mitte (RM)
- Die rückwärtige Mitte markiert die senkrechte Mittellinie des Rückenteils. Sie liegt je nach Schnitt im Stoffbruch oder ist die Position von Naht und Reißverschluss – im Schnitt meist als „RM“ beschriftet.
S
- Saumzugabe
- Die Saumzugabe ist die extra Stoffbreite an der unteren Kante, die für den Saum umgeschlagen wird. Sie ist meist breiter als die normale Nahtzugabe – üblich sind 2 bis 4 cm – und im Schnitt oder der Anleitung gesondert angegeben.
- Schnittmusterbogen
- Der Schnittmusterbogen ist der große, dicht bedruckte Bogen aus Nähzeitschriften, auf dem sich viele Schnittteile und Größen überlagern. Die benötigten Teile werden anhand von Linienart und Nummerierung gesucht und mit Seidenpapier oder Folie abgepaust.
- Stoffbruchlinie
- Die Stoffbruchlinie markiert Schnittteile, die an der Faltkante des doppelt gelegten Stoffes zugeschnitten werden – es entsteht ein symmetrisches, doppelt so großes Teil. An dieser Kante wird keine Nahtzugabe angefügt und nicht geschnitten.
T
- Taillenlinie
- Die Taillenlinie ist eine waagerechte Orientierungslinie im Schnitt, die die schmalste Stelle des Rumpfes markiert. An ihr wird die Passform kontrolliert und bei Bedarf gekürzt oder verlängert.
- Teilungsnaht (Wiener Naht)
- Teilungsnähte ersetzen Abnäher durch geschwungene Nähte, die das Kleidungsstück formen. Die Wiener Naht verläuft vom Armausschnitt über die Brust nach unten und ist eine der elegantesten Möglichkeiten, Passform zu gestalten.
U
- Umbruchlinie
- Die Umbruchlinie zeigt an, wo ein Teil des Schnitts gefaltet wird – etwa der Umschlag einer Knopfleiste, ein Kragen oder ein angeschnittener Beleg. Sie wird auf den Stoff übertragen und beim Bügeln als Faltkante genutzt.
V
- Verlängerungs- und Kürzungslinien
- Diese waagerechten Doppellinien markieren die Stellen, an denen ein Schnitt für unterschiedliche Körperlängen auseinandergeschnitten und verlängert oder gefaltet und gekürzt wird – ohne dass Proportionen und Passform verloren gehen.
- Vordere Mitte (VM)
- Die vordere Mitte markiert die senkrechte Mittellinie des Vorderteils. Bei Knopfleisten liegt sie genau auf der Knopfreihe – nicht an der Stoffkante. Im Schnitt ist sie meist als „VM“ beschriftet.
Z
- Zuschneideplan
- Der Zuschneideplan in der Anleitung zeigt, wie die Schnittteile möglichst stoffsparend auf dem gefalteten Stoff angeordnet werden – unter Beachtung von Fadenlauf, Stoffbruch und gegebenenfalls Musterrichtung. Bei Stoffen mit Strich oder Muster gilt oft ein eigener Plan.