Brennkurven beim Töpfern – Schrühbrand und Glattbrand einfach erklärt
Brennkurven beim Töpfern – Schrühbrand und Glattbrand einfach erklärt
Brennkurven beim Töpfern – Schrühbrand und Glattbrand einfach erklärt
Brennkurven beim Töpfern – Schrühbrand und Glattbrand einfach erklärt

Brennkurven beim Töpfern – Schrühbrand und Glattbrand einfach erklärt

Fähigkeiten
Mittel
Dauer
Wochenende
Kosten
€€
maba-ceramic-studio-logo-weiss-180x180 Projekt von Madlen Baumann

Beim Keramikbrand entscheidet nicht nur die Endtemperatur über das Ergebnis. Ebenso wichtig ist, wie schnell der Brennofen aufheizt, an welchen Stellen besonders vorsichtig gebrannt werden sollte und ob eine Haltezeit eingeplant wird.

In diesem Beitrag zeige ich die Brennkurven, die ich in meinem Keramikstudio für den Schrühbrand und den Glattbrand verwende. Die Beispiele sollen besonders Anfängerinnen und Anfängern helfen, den Aufbau einer Brennkurve und die einzelnen Brennsegmente besser zu verstehen.

Wichtig: Die passende Brennkurve richtet sich immer nach dem verwendeten Ton, den Glasuren und dem Brennofen. Prüfe deshalb zusätzlich die Herstellerangaben deiner Materialien und deines Ofens.

Die einzelnen Brennkurven und Erklärungen findest du weiter unten Schritt für Schritt. Wenn du dir die Übersicht lieber ausdrucken möchtest, kannst du meine Brennkurve zusätzlich kostenlos als PDF herunterladen.

Kostenlose Brennkurve als PDF herunterladen

Das brauchst du

Material

  • Glasur:
  • Ton

So geht’s

1

Was ist eine Brennkurve?

Eine Brennkurve legt fest, wie schnell der Brennofen aufheizt, welche Endtemperatur erreicht wird und wie lange diese Temperatur gehalten wird. Sie besteht aus mehreren Segmenten. Für jedes Segment werden die Aufheizgeschwindigkeit in Grad Celsius pro Stunde, die Zieltemperatur und gegebenenfalls eine Haltezeit eingestellt.

Dabei gibt es keine Brennkurve, die für jeden Ton und jede Glasur gleichermaßen geeignet ist. Entscheidend sind immer die Angaben der Hersteller sowie die Eigenschaften des eigenen Brennofens.

2

Keramik auf den Brand vorbereiten

Vor dem Schrühbrand muss die Keramik vollständig durchgetrocknet sein. Besonders dicke Bereiche und geschlossene Hohlformen benötigen viel Zeit. Hohlformen brauchen außerdem eine ausreichend große Öffnung, damit Feuchtigkeit entweichen kann.

Kontrolliere vor dem Start, ob die Werkstücke sicher stehen und das richtige Brennprogramm eingestellt ist. Beim Glasurbrand müssen die Böden vollständig frei von Glasur sein, damit nichts an der Brennplatte festschmilzt.

3

Meine Brennkurve für den Schrühbrand

Für meinen normalen Schrühbrand verwende ich folgende Brennkurve:

• mit 100 °C pro Stunde bis 650 °C
• danach mit 120 °C pro Stunde bis 950 °C
• bei 950 °C eine Haltezeit von 30 Minuten

Durch den Schrühbrand wird aus der getrockneten Grünware ein fester, aber noch poröser Scherben. Dieser kann anschließend gut glasiert werden.

Diese Brennkurve ist eine persönliche Orientierung aus meiner Werkstatt. Bei Paperclay brenne ich den Schrühbrand beispielsweise bis 1.100 °C. Entscheidend sind deshalb immer die Angaben zur verwendeten Tonmasse.

4

Langsamere Variante des Schrühbrands

Wenn ich bei einem Werkstück nicht ganz sicher bin, ob es vollständig durchgetrocknet ist, verwende ich eine langsamere Variante:

• mit 50 °C pro Stunde bis 200 °C
• danach mit 100 °C pro Stunde bis 650 °C
• anschließend mit 120 °C pro Stunde bis 950 °C
• bei 950 °C eine Haltezeit von 30 Minuten

Das langsamere Aufheizen gibt dem Werkstück mehr Zeit, Restfeuchtigkeit abzugeben. Es ersetzt jedoch niemals das gründliche und vollständige Trocknen der Keramik.

5

Brennkurve für den Glasurbrand oder Glattbrand

Nach dem Schrühbrand wird die Keramik glasiert und anschließend im Glasurbrand gebrannt. Dieser wird auch Glattbrand genannt.

Meine Brennkurve dafür:

• mit 100 °C pro Stunde bis 300 °C
• danach mit 120 °C pro Stunde bis zur gewünschten Endtemperatur, zum Beispiel 1.100 °C im Niedrigbrand oder 1.250 °C im Hochbrand
• bei der Endtemperatur eine Haltezeit von 30 Minuten

Die Endtemperatur muss zum Brennbereich des Tons und der Glasur passen. Gerade dunkle Tone können auch bei höheren Temperaturen noch Gase abgeben. Ein langsameres Aufheizen kann dabei helfen, Blasen oder Nadelstiche in der Glasur zu verringern. Ob das funktioniert, sollte immer mit einem Testbrand geprüft werden.

6

Sinterung, Quarzumwandlung und Dichtigkeit

Mit steigender Temperatur verbinden sich die Bestandteile des Tons immer stärker. Die Poren werden kleiner und der Scherben wird fester und dichter. Diesen Vorgang nennt man Sinterung. Bei welcher Temperatur ein Ton ausreichend sintert, hängt von der jeweiligen Tonmasse ab.

Bei ungefähr 573 °C verändert der im Ton enthaltene Quarz seine Kristallstruktur. Dabei dehnt er sich beim Aufheizen aus und zieht sich beim Abkühlen wieder zusammen. Deshalb sollte die Keramik diesen Temperaturbereich möglichst gleichmäßig durchlaufen.

Ein Ton wird nicht allein durch eine Glasur wasserdicht. Entscheidend ist, ob der Scherben bei der gewählten Brenntemperatur ausreichend dicht gebrannt wurde. Wird ein Ton dagegen zu hoch gebrannt, kann er sich verformen, aufblähen oder sogar schmelzen.

7

Kostenlose Brennkurve als PDF herunterladen

Damit du die einzelnen Segmente leichter überblicken kannst, habe ich meine Brennkurven auf zwei A4-Seiten zusammengefasst. Die kostenlose PDF zeigt die Kurven für Schrühbrand und Glasurbrand beziehungsweise Glattbrand. Außerdem wird vereinfacht dargestellt, was während verschiedener Temperaturbereiche im Ton passiert – vom Trocknen über die Quarzumwandlung bis zur Sinterung.

Den grünen Button zum kostenlosen Herunterladen findest du am Anfang dieser Anleitung.

Die Brennkurven beruhen auf meinen persönlichen Erfahrungen und dienen als Orientierung. Beachte immer die Herstellerangaben zu deinem Ton, deiner Glasur und deinem Brennofen.

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